Mehrere Hundert Bürger boten den Rechtsextremen und Neo-Nazis die Stirn. Foto: Ralph Keim

INGELHEIM – Am 17. August 1987 starb die Nazi-Größe Rudolf Heß. Den Jahrestag nutzen bundesweit regelmäßig rechte Gruppierungen und Neonazis zu sogenannten Rudolf-Heß-Märschen. In diesem Jahr war ein solcher Marsch für Ingelheim angekündigt, ausgerechnet an dem Wochenende, als in der Innenstadt auch das Fest anlässlich der Eingemeindung von Heidesheim und Wackernheim gefeiert wurde. Doch die Rotweinstadt bot Neo-Nazis, Rechten und Rechtsextremen die Stirn: Eine beeindruckende Gegenkundgebung mit mehreren Hundert Teilnehmern signalisierte, dass solches Gedankengut in einer toleranten Gesellschaf nichts zu suchen hat.

Insgesamt 380 Beamte waren im Einsatz. Foto: Ralph Keim

Zahlreiche Initiativen, Gruppen und Gruppierungen, darunter das Ingelheimer Bündnis gegen Rassismus und Gewalt sowie Rheinhessen gegen Rechts, versammelten sich schon lange auf dem Marktplatz, bevor die knapp 40 Heß-Fanatiker eintrafen. Viele hatten selbst gestaltete Plakate und Transparente dabei. Für Irritationen sorgte zunächst eine Fahne, auf der deutlich ein Hakenkreuz zu sehen war. Doch schnell war klar: Das Hakenkreuz landet in einem Abfalleimer. „In solch einem Fall darf dieses ansonsten verbotene Symbol öffentlich gezeigt werden“, erläuterte ein Polizeisprecher. Auf einer Bühne bekräftigten zahlreiche Redner, dass Ingelheim eine tolerante und weltoffene Stadt ist, in der jeder willkommen ist, der andere willkommen heißt.

„Ingelheim zeigt Gesicht“ zählte zu den zahlreichen Aussagen an diesem Nachmittag. Foto: Ralph
Keim

Die Polizei zeigte besonders am Bahnhof ein massives Aufgebot mit rund 380 Beamten, die auch ihrer Pflicht nachkommen mussten, den Neo-Nazis ihre Kundgebung zu ermöglichen. Was die Polizei selbstverständlich nicht unterbinden konnte: Das rechtsextreme Gedankengut ging in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert der Gegendemonstranten unter. In ihrem Bericht spricht die Polizei von einem „lautstarken, flexiblen und bunten“ Protest. Die Polizei leiteten einige Strafanzeigen gegen einzelne Neo-Nazis ein, unter anderem wegen Beamtenbeleidigung und dem Zuschaustellen verbotener Symbole. Ansonsten spricht die Polizei von zwei „weitestgehend störungsfreien Versammlungen“.

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