Fußball spielen mit dem großen Ball, das macht den Flitz Kidz besonders viel Spaß. Foto: Helene Braun

LAUBENHEIM – In der ersten halben Stunde, in der eigentlich nicht viel geschieht, jedenfalls von Trainerseite gesehen, passiert dennoch so einiges. Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene sind darunter, bedienen sich selbst im Lager des Sportzentrums am Ried, suchen sich einen passendes Gerät aus und jagen hinter einem großen Ball her. Alles ist erlaubt, mit den Armen, mit dem Gefährt selbst darf man den Ball anstoßen, nur mit den Füßen nicht. Wer hier mitspielt, sitzt im Rollstuhl, ob bewegungseingeschränkt oder nicht – auch Trainer Thomas Reinelt. Normalerweise ist er „Fußgänger“. Sieht man den jungen Teilnehmern beim Spielen zu, weiß man, warum sie „Flitz Kidz“ heißen.

Seit vielen Jahren bereits nimmt der Rollstuhlsport eine tragende Rolle im Angebot des Turnvereins Laubenheim ein. Einst angestoßen von Arque, einem Selbsthilfeverein von und für Menschen mit Spina bifida und deren Angehörige, nahm der TVL mit der Zeit den Rollstuhlsport fest in sein eigenes Trainingsprogramm auf. Einen Teil davon bilden die Flitz Kidz. „Zwischen zehn und 20 Kinder sind immer da“, sagt Thomas Reinelt. Auf der Liste stehen 40. Die Kinder kommen teils von weiter her, aus Frankfurt, aus Darmstadt oder Wiesbaden.

Jeden Freitag treffen sie sich in der Sporthalle, zumeist in zwei Gruppen aufgeteilt, hauptsächlich, um Spaß zu haben. Verena und Laura (beide 12) sind in derselben Klasse wie Noel, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sie machen mit, weil es ihnen einfach Freude macht und weil es mal was Neues und ganz anderes ist. Und besonders freuen sie sich schon auf den Wheel-Soccer-Cup in Berlin, wo die Trainer jedes Jahr mit den Kindern hinfahren.

Ein Rollstuhl kann wie jedes andere mit Körperkraft angetriebene Gerät zum Sport verwendet werden. So kommen behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen. Einige kennen sich schon, sind öfter da, das merkt man. Auch eine Mutter macht mit, das ist keine Seltenheit. In offenen Bewegungsangeboten machen die jüngsten Rollstuhlsportler positive Körper- und Lernerfahrungen. Vorerfahrungen mit dem Rollstuhl sind nicht notwendig.

In besagter halber Stunde zu Beginn können die Teilnehmer warm werden miteinander und einfach ein bisschen rumtoben. Den Trainern, es sind immer mehrere, gibt es die Gelegenheit abzuschätzen, wie viele gekommen sind und welche Bedürfnisse sie haben. Ist ein Kind neu, nehmen sie besondere Rücksicht, bieten spezielle Hilfestellungen an und nehmen ihm die Scheu.

Weitere Rollstuhlsport-Angebote und Trainingszeiten gibt es unter www.tv-laubenheim.de.

Teilen
Vorheriger ArtikelGutenberg-Statuette für Karin Trautwein
Nächster ArtikelEbling offiziell nominiert
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.