Die Künstlerin vor ihrem Lieblingsbild „Familie im Freizeitpark. Foto: Helene Braun

BODENHEIM –Die Augen des Vaters blitzen im vorwiegend grün gehaltenen Bild „Väter und Söhne“, sehr vielfältig in der Farbgebung kommt ihr Lieblingsbild „Familie im Freizeitpark“ daher. Zunächst Marionettenbauerin, dann mit eigenem Studio für Skulpturen stieg die Künstlerin Gisela Vandekerckhove vor 20 Jahren in die Malerei ein. Im Rathaus der Verbandsgemeinde zeigt nun die Mitbegründerin der freien Malgruppe „Linie 6“ Heilbronn großformatige Bilder unter dem Titel „Form trifft Farbe“. VG-Bürgermeister Dr. Robert Scheurer suchte in seinem Grußwort, sich den Begriffen über Aristoteles zu nähern. Von allen Seiten blicken den Betrachter Augen an. Für Vandekerckhove selbst stellt sich die Frage vor Beginn des Malens: „Ist es die Form, die Farbe oder das Zusammenspiel beider, die den Betrachter faszinieren und vor einem Bild verharren lassen?“ Vielleicht erkennt sich der Betrachter selbst darin wie in einem Spiegelbild der Seele. Lange war sie auf der Suche nach Motiven und Stilrichtungen. Bei Gisela Radu hatte sie über Jahre Unterricht in akademischer Malerei genommen. Um das Erlernte zu verfestigen, besuchte sie die Sommer über die Kunstakademie in Trier. Und entschied sich schließlich: „Irgendwann habe ich beschlossen, das zu malen, was ich liebe und das sind nun mal Menschen.“

Mit Kandinsky begann die Zeit, im Abstrakten und Semiabstrakten Gefühle auf die Leinwand zu bringen. So ist beim Bild „Kopfkino“ der Kopf, in dem sich so vieles abspielt, erst richtig zu erkennen, tritt man mehrere Schritte zurück, kein leichtes Unterfangen in der Menschenmenge, die die Vernissage angezogen hatte. Das „Paar in Blau“ zeigt fast nur Schatten der beiden Menschen und leuchtet in so intensiven Blautönen, dass man als Betrachter bestrebt ist, die Farbe in sich aufzusaugen, um sie nicht zu verlieren. Gesichter in der Menge hat das Werk „Menschen“ zum Thema. Ob Köpfe, Körper oder Gruppen, die Farben der Bilder sind ganz unterschiedlich, meist dominiert eine und kommt in vielen Schattierungen ganz wunderbar zur Geltung. Dass sie regelrecht leuchten, das entsteht so: „Zunächst war die Farbe auf der Leinwand, nämlich das Acryl. Nach einiger Zeit des Trocknens bemerkte ich, dass sie dunkler wurden und nicht mehr diese Brillanz hatten.“ Daher setzte sie Akzente mit Eitempera, der Kunst der alten Meister mit Farbpigmenten, Leinöl und Ei. Erst am Ende befasst sie sich mit der Form. Nichts werde erzwungen. „Das farbige Ausdrucksspiel darf nur mit mir diskutieren.“ Tage später erst setzt sie Akzente und Linien. Die Deutung überlässt sie bewusst dem Betrachter. Gisela Vandekerckhove wurde 1947 in Zweibrücken geboren, wuchs in Ludwigshafen und München auf. Seit 1979 lebt sie im Raum Mainz und seit einigen Jahren mit ihrem Mann in Laubenheim. Sie verfasst auch Kurzgeschichten und blickt auf bundesweite Ausstellungen.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.