Der aktuelle Vorstand v.l.: Ehrenvorsitzender Birger Schwaab, Protokollführerin Claudia Fetzer, Beisitzer Knut Wichmann, Eventmanagerin Gerda Huth, Vorsitzender Stephan Trautmann, Geschäftsführerin Susanne Deckstein, Kassenwart Arthur Hoffmann, Pressewartin Inge Witte. Foto: Helene Braun

INGELHEIM –Sehr begehrt unter den Ingelheimer Einzelhändlern sind die verkaufsoffenen Sonntage, so begehrt, dass ein Ausfall die Existenz bedrohen könne, wie ein Mitglied bei der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins „Ingelheim aktiv“ betonte. In seinem Jahresbericht im schönen Ambiente von „Wasems Kloster Engelthal“ sprach Vorsitzender Stephan Trautmann auch über die Wünsche und den Ist-Stand von vier verkaufsoffenen Sonntagen derzeit in der Stadt, wobei der vierte im November nur für den Bereich Nahering erlaubt ist. Die Crux: Es muss eine andereVeranstaltung gleichzeitig stattfinden, die für sich allein mehr Gäste anlockt als dies der Part der Geschäfte tut. So wie das Rotweinfest, das Spargelfest, der Fischmarkt oder eben der Flohmarkt im Bereich Nahering.„Wir tun uns schwer damit, dass das Spargelfest mit dem „Halben“ zusammenfällt, sagte Beatrice Hagemann-Hanne von Leder Hagemann. Sie möchte im zuständigen Landesministerium vorsprechen und bat den Vorstand um Rückhalt. „Wenn Gesetze uns hindern, brauchen wir die Regierung.“ Es gehe darum, die Kaufkraft aus dem Umland anzuziehen. Was rechtlich unter welchen Bedingungen möglich ist, darüber sprach Dr. Ingrid Vollmer, Geschäftsführerin IHK Rheinhessen. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen habe dazu ein „Entfesselungspaket“ geschnürt, das den verkaufsoffenen Sonntag unabhängig von anderen Events macht. Doch nun klagen bereits Gewerkschaften, der Ausgang ist ungewiss.

Vollmer meinte eher scherzhaft, das Wörtchen „Bad“ vor Ingelheim könne helfen, eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken. Trautmann regte an, einen Runden Tisch der Einzelhändler ins Leben zu rufen und verhehlte seine Meinung über Bestrebungen, Parkplätze abzubauen, nicht: „Die Parkplätze in der Innenstadt sind der einzige Grund, warum der Einzelhandel hier noch funktioniert. Das ist mir eine Herzensangelegenheit, wir brauchen keine Fußgängerzone.“ Mit dem Bus fahren und am Ende noch was mitnehmen, so beschrieb Bürgermeisterin Eveline Breyer die Funktion der Ingelheim Card, die im nächsten Frühjahr in Betrieb gehen soll. Sie soll sowohl den Handel stärken, aber auch den ÖPNV. Mit einer Arbeitsgruppe aus dem Gewerbeverein wolle man noch Details absprechen, denn am 15. Dezember wird ein neues, extrem ausgeweitetes Bussystem eingeweiht. Anne Mehlburger von der Werbeagentur Bartenbach, die ein Rundumpaket für die Vermarktung der Ingelheim Card erstellt hat, erklärte, die Buskarte werde den verschiedenen Nutzergruppen angepasst. Von Junior bis Senior und Gelegenheitsfahrer sind alle angesprochen. Entweder erhalte man Rabatte in Geschäften oder direkt im Bus einen 50 Cent-Gutschein. Erst kommt sie als Chipkarte auf den Markt, im nächsten Jahr als App. „Das gibt es so in Deutschland noch nicht“, fügte Breyer an.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.