Prof. Dr. Gunter Schaumann: „Wenn wir die Klimagase als das Hauptproblem ansehen, müssen wir unser Geld und Wissen anders einsetzen als bisher.“ Foto: Helene Braun

FINTHEN – Alle anderen Gefahren, die drohen, die Erde und die Menschheit zu zerstören, wie Kriege mit Kernwaffen oder die Ausbeutung von Rohstoff-Ressourcen und die Naturerschöpfung durch Monokulturen und Umweltschäden, werden gegenwärtig von der Klimadiskussion überdeckt. Das erklärte Professor Dr. Gunter Schaumann, Gründer der Transferstelle für rationelle und regenerative Energienutzung in Bingen. Im Atrium-Hotel sprach er auf Einladung der Finther Freiherrn und Freifrauen zum Thema: „Machen wir unsere Erde kaputt?“ Den Aspekt der Energie stellte Schaumann als Experte in den Mittelpunkt.

In seine Überlegungen bezog der weltweit anerkannte Wissenschaftler die Entstehung der Erde, der Menschheit, den eigenen Energieumsatz im Körper, beim Sport und für unseren aktuellen Lebensstandard mit ein. Am Ende stand das Plädoyer für die Einführung einer CO2-Steuer. Wenn ein Effekt erzielt werden solle, dann müsse jeder Verbrauch mit CO2-Emission Geld kosten und zwar, wie Schaumann errechnet hat, 28 Milliarden Euro pro Jahr, das sind für jeden 360 Euro. Fazit: „Wenn wir die Klimagase als das Hauptproblem ansehen, müssen wir unser Geld und Wissen anders einsetzen als bisher.“ Denn: „Geht die Erderwärmung so weiter, wird explosionsartig CO2 aus dem Meer freigesetzt und Methan aus den Permafrostgebieten.“ Die EEG-Abgabe sei überholt, der Emissionshandel auch keine Lösung.

Was die Mobilität und die hoch gelobten Akku-Fahrzeuge betrifft, wies Schaumann auf folgende Rechnung hin. Ein Elektrofahrzeug emittiert mehr CO2 als ein Diesel, weil der benötigte Strom immer noch durch sehr viele fossile Kraftwerke entsteht. Nähme man ihn aus der Windkraft, sähe die Sache anders aus. Dann bliebe nur noch das Problem der Akkuherstellung.

„In 90 Minuten trifft so viel Energie auf die Erdatmosphäre wie der derzeitige weltweite Energieverbrauch pro Jahr beträgt“, so Schaumann. Photosynthese, das was die Pflanze macht, sollte uns als Beispiel für die Nutzbarmachung dieser Energie dienen. „Die Sonnenstrahlung kommt rein, spaltet das Wasser, macht daraus Sauerstoff und Wasserstoff.“ Denn Wasserstoff als Energieträger ist das Zauberwort. Eine umweltfreundliche Energieerzeugung mittels Wasserstoff findet aber erst dann statt, wenn der Wasserstoff mit regenerativen Energiequellen erzeugt wird. Im Weiteren könne Kernfusion statt Kernspaltung eine Lösung sein, für einige Tausendstel Millisekunden habe es schon geklappt. Das radioaktive Endmaterial fiele dann weg.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.