: Essenheimer demonstrieren für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

ESSENHEIM – Etwa 200 Essenheimer haben gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Sexismus, Rassismus und Diskriminierung protestiert. Aufgerufen hierfür haben eine Bürgerinitiative aus dem Ort, die Evangelische Kirche und der Verein „Rheinhessen gegen Rechts“. Den Anlass zur Manifestation gab die Sommertour des AfD-Politikers und Bundestagsabgeordneten, Sebastian Münzenmaier, der in Essenheim Station machte. Die Demonstranten positionierten sich gegenüber von dem Stand des Politikers. Die Straße trennte beide Lager, unweit davon harrte die Polizei aus. Mit dem Protestbeginn setzte auch das Glockengeläut der Kirche der evangelischen Mauritius-Gemeinde ein.

Es war ein nachdenklicher und eindrucksvoller Protest, bei dem die Redner Gedichte, historische, biblische und politische Texte vortrugen. Zitiert wurden auch die im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschriebenen Grundrechte.

Der Geschäftsführer von „Rheinhessen gegen Rechts“, Florian Kowalewski, sagte in seinem Eingangsstatement: „Wir stehen gemeinsam hier, um für ein buntes Rheinhessen einzustehen. Wir treten dafür ein, dass sich Rassismus und Gewalt nicht mehr breit machen können in unserem Land. Wir nehmen es nicht widerspruchslos hin, wenn Nazis rechtsextremes Gedankengut verbreiten“.

Ähnlich mahnend wie das Kirchengeläut hörten sich die Texte an, wie das „Marschliedchen“ von Erich Kästner: „Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen. / Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt. Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt: Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen“.

Während der öffentlichen Versammlung hielten die Bürger Transparente hoch, mit Botschaften wie: „Danke, wir brauchen nichts. Das hatten wir schon“. Wobei die Vokabeln „nichts“ und „das hatten“ in Frakturschrift erschienen.

Die öffentliche Meinungsbekundung dauerte in Essenheim etwa zwei Stunden, bis das Team von Münzenmaier zur nächsten Stippvisite nach Ober-Olm aufbrach. Bis dahin zeigten sich der Politiker und sein Gefolge scheinbar unbeeindruckt von der Versammlung: Man aß mitgebrachte Brezeln und trank Wein. Lediglich einzelne Personen suchten die ungestörte Nähe zum AfD-Stand.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.