Der Kindergarten der evangelischen Emmausgemeinde muss eine Gruppe schließen, nachdem rzieherinnen gekündigt haben. Foto: Silke Jungbluth-Sepp

MÜNCHFELD – Dem erst im Herbst eröffneten Kindergarten der Emmausgemeinde im Münchfeld läuft das Personal davon. Die Krippengruppe muss deshalb geschlossen werden, die Eltern haben Kündigungen erhalten. Beim Start vor neun Monaten war alles bestens in der neu gebauten evangelischen Einrichtung, auch wenn Kinder und Erzieher wegen Baumängeln vorübergehend in die Räume der städtischen Kita am Zollhafen umziehen mussten. „Die Stimmung war gut und die Erzieherinnen haben sich bestens um die Eingewöhnung der Kinder bemüht“, erinnert sich Mutter Joanna Wirtz, die auch im Elternbeirat aktiv ist. Doch dann beobachteten die Eltern, wie sich die Atmosphäre änderte. Die Mitarbeiter wirkten angespannt, das Betriebsklima schien schlechter zu werden. Und die Zahl der Krankmeldungen schnellte in die Höhe. Anfang April wurde die Kita wegen der Personalausfälle eine ganze Woche geschlossen. Mehrtägige Schließungen der Krippe folgten, dazwischen gab es über weite Strecken verkürzte Öffnungszeiten. Für berufstätige Eltern eine katastrophale Situation. Einige haben massive Schwierigkeiten mit ihren Arbeitgebern, sagt Wirtz. „Andere haben wegen der Schließungen bis zu 15 Tage ihres Jahresurlaubs aufgebraucht.“ Die Eltern kritisierten damals, dass die Verantwortlichen nicht versucht haben, zumindest für die dringendsten Fälle eine Notbetreuung sicherzustellen – so wie es andere Kitas handhaben. „Die Leiterin hat sich für die Probleme, die die Schließungen den Eltern machen, nicht wirklich interessiert“, berichten mehrere der betroffenen Eltern im LZ-Gespräch. Schlechte Kommunikation und zu wenig Interesse, das Betriebsklima zu verbessern, werfen sie ihr außerdem vor. Doch es kam noch schlimmer.

Im April kündigte die erste der Erzieherinnen – nach 17 Jahren in der Einrichtung. Im Juni gab die nächste Erzieherin auf. Eine weitere war bereits im März ausgeschieden, den Grund erfuhren die Eltern nie. Außerdem gab es eine Schwangerschaft im Team. Kurz vor den Sommerferien nun der Paukenschlag: Die Krippengruppe mit elf Kindern wird aufgelöst, die meisten müssen die Einrichtung verlassen. Übrig bleibt nach den Ferien nur noch eine Ü3-Gruppe mit 22 Kindern. Eigentlich ist die Kita nach Trägerangaben dreigruppig für 54 Kinder konzipiert. Birgit Pfeiffer vom evangelischen Dekanat, das im April die Geschäftsführung der Einrichtung übernommen hat, bedauert diese Entwicklung sehr. Zum Glück könnten Kirche und Stadt allen betroffenen Kindern Plätze in anderen Kitas anbieten. Eine „Mischung aus Komplikationen“ habe zu den Spannungen im Teamgeführt, die Ursachen dafür seien „nicht schwarz-weiß“, sondern sehr komplex. Supervision, Einzelgespräche und eine Teamwoche sollen nun dafür sorgen, dass sich die Wogen glätten. „Wir sind zuversichtlich, dass dies als Chance zum Neuanfang genutzt werden kann“. Zur Teamwoche Ende Juli sollen möglichst auch schon neu eingestellte Erzieher mit an Bord sein. „Es laufen derzeit Gespräche“, so Pfeiffer. Die Eltern befürchten indes, dass sich wenig ändert und weitere Erzieherinnen aufgeben könnten. „Wir sind unsicher, ob der Kindergarten nach den Ferien überhaupt wieder öffnet“, sagt Wirtz, deren älterer Sohn vorerst bleiben kann, während der Jüngere gekündigt wurde. Sie selbst muss ihren Jobeinstieg nach der Elternzeit nun um mehrere Monate verschieben – mit allen finanziellen und beruflichen Konsequenzen, die diese er Rückzieher beim Arbeitgeber mit sich bringt. Denn ihr Jüngster kommt frühestens im September in einer anderen Kita unter – ohne seinen Bruder und in einer neuen Umgebung.

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