Fünf Meter Umfang allein hat der Stamm des Naturdenkmals „Rosskastanie am Kirchborn“. Nun muss die Krone weg. Foto: Helene Braun

FINTHEN – Wie lange die Kastanie an der Kita St. Martin wirklich da steht, weiß keiner mehr so genau. Nur dass sie über 300 Jahre alt ist, die Äste bis in den Himmel ragen und der Stamm so dick ist, dass ihn kein Mensch mit den Armen umfassen kann. Der Umfang beträgt über fünf Meter. Nun muss die Baumkrone gekappt werden – zur Sicherheit der Kinder. Die Schwestern im Kloster der Göttlichen Vorsehung als Eigentümer sind traurig. Viele Jahre hat Schwester Daniela Metz den Baum in seiner Blüte fotografiert. Auch Annette Kuchelmeister vom Grün- und Umweltamt fiel die Entscheidung nicht leicht, handelt es sich doch um ein Naturdenkmal, als welches die „Rosskastanie am Kirchborn“ 1972 ausgewiesen wurde.

Dass der Baum von einem Pilz befallen ist, der sich direkt im Kronenansatz befindet und die Äste im schlimmsten Fall wegbrechen lässt, war bereits bekannt. Zwei Mal im Jahr wird die Kastanie von der unteren Naturschutzbehörde auf Bruch- und Standsicherheit überprüft. Bereits 1999 wurden Gurtbänder zur Sicherung der Starkäste in die Krone eingebaut und 2011 und 2017 erneuert. Aber im Mai brach ein Starkast aus der Krone und dank der Gurtsicherungen wurde niemand verletzt. Doch jetzt ist es Zeit zu handeln. Daher werden an mehreren Tagen die Äste allesamt entfernt.

Im Fachgutachten fand man heraus, der Pilzfruchtkörper des Flachen Lackporlings sitzt in vier Metern Höhe. Messungen bestätigten den visuellen Eindruck der ausgeprägten Fäulnis. Nur der Hauptstamm mit den Kronenansätzen darf erhalten werden in der Hoffnung, dass eine kleine Sekundärkrone wächst. Kitaleiterin Frederike Kohr schaut positiv in die Zukunft. Ist die Krone erst mal weg, können die Kinder auch dort mit Wasser und im Matsch spielen.

Ortsvorsteher Herbert Schäfer erinnert sich, wie er als Messdiener mit den anderen hochgeklettert ist und die Schwestern mit Kastanien beworfen hat. „Es ist schlimm, dass er weg muss, aber schlimmer wäre, wenn ein Kind zu Schaden gekommen wäre.“ Seine Idee: Bänke aus der Kastanie zu fertigen. Trägerbeauftragte, Schwester Veritas, schlug vor, Baumscheiben als Andenken beim Kitabasar zu verkaufen. Die Blätter will sie pressen und den Kindern geben. „Wir werden intern eine Dank- und Abschiedsfeier machen und Gott danken für diesen Baum und was er uns geschenkt hat.“

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.