Barbara Petermann, Gründerin des Medien Verlag Reiser und der heutigen Lokalen Zeitung. Foto: Ralph Keim

Vor zwei Jahrzehnten schlug die Geburtsstunde vom heutigen Medien Verlag Reiser. Barbara Petermann startete die von ihr konzipierte Stadtteil-Zeitung, heute bestens bekannt als Lokale Zeitung. Wir sprachen mit der Verlegerin über die Gründerzeit.

Frage: Frau Petermann, worin lag vor 20 Jahren die Motivation, eine Stadtteil-Zeitung auf den Markt zu bringen?
Barbara Petermann: Die Idee hatte der Ortsvorsteher des kleinsten Mainzer Stadtteils Drais, Norbert Solbach. Er fragte mich, ob ich mit meinen Erfahrungen nicht Lust hätte, eine Zeitung für Drais zu machen. Spontan wies ich den Gedanken weit von mir. Bot doch der Ort kaum genügend Haushalte für ein solches Angebot.
Frage: Bekanntlich kam es aber ganz anders.
Barbara Petermann: Ziemlich schnell kam mir dann aber der Gedanke, für zwei Orte, nämlich für Drais und Lerchenberg, eine Wendezeitung als lokales Informationsmedium zu gestalten. Und es war ein voller Erfolg. Bald kam Finthens Ortsvorsteher Herbert Schäfer auf mich zu. Auch er wollte so eine Zeitung, denn das Finther Vereinsleben hätte doch wohl noch wesentlich mehr zu bieten. So ging es also direkt mit einer Dynamik los, die ziemlich schnell wie ein Feuer um sich griff. Und schnell wurden es immer mehr Stadtteile, die monatlich ihre Lokale Zeitung in den Briefkästen finden konnten.
Frage: Wie waren damals die ersten Reaktionen?
Barbara Petermann: Die Vereine, die bis dahin kein Medium hatten, das über das ganze ehrenamtliche Engagement entsprechend informierte, waren überglücklich, ihre Auftritte oder sportlichen Erfolge hier für alle Bürger ansprechend bebildert aufbereitet vorzufinden. Die Leser hatten endlich ein Informationsmedium, das ihnen das ganze nachbarschaftliche Leben vor Augen führte. Das soziale Leben der Orte konnten wir angemessen unterstützen, da nun jeder wusste, was wo wann passierte.
Frage: Worin lagen damals, vor 20 Jahren, die besonderen Herausforderungen?
Barbara Petermann: Eigentlich war es so, als hätten die Menschen auf die Lokale Zeitung gewartet. Die anfängliche Herausforderung war, die Journalisten vor Ort, also direkt bei den Menschen in der Nachbarschaft zu finden. Wir konnten schnell ein motiviertes Team für die jeweiligen Orten zusammenstellen.
Frage: Was waren die Meilensteine der LZ-Geschichte?
Barbara Petermann: Die Meilensteine waren jeweils die Hinzunahme der neuen Orte, bis die Lokale Zeitung zu der Größe herangewachsen war, an der wir uns bis heute freuen. Aber in ganz besonderer in Erinnerung sind mir die zwei bisherigen Geburtstage, nämlich der zehnte und der 15. Geburtstag. Das waren richtige Volksfeste. Hier konnten wir bestaunen, wie groß die Schar unserer Fangemeinde ist. Als einen wesentlichen persönlichen Meilenstein möchte ich den Eintritt meines Sohnes David Weiß 2011 in den Verlag und die sukzessive Übernahme des Verlags über die letzten Jahre mit Freude benennen. Es ist wunderbar, wenn ein Unternehmen als Familienbetrieb weitergeführt und für die Zukunft neu entwickelt wird.

Das Interview führte Ralph Keim

Teilen
Vorheriger ArtikelVerlässlicher Journalismus
Nächster ArtikelLokale Nachrichten sind unser Kern
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“