David Weiß trägt inzwischen die unternehmerische Verantwortung. Foto: Ralph Keim

2011 stieg David Weiß, Sohn von Verlagsgründerin Barbara Petermann, in das Unternehmen ein. Inzwischen zeichnet er als Herausgeber verantwortlich für alle Publikationen. Wir sprachen mit David Weiß über die Herausforderungen, die sich der Verlag stellen muss.

Frage: Herr Weiß, wo liegen die Herausforderungen der kommenden Jahre?
David Weiß: Wir haben die gleichen Herausforderungen wie alle Verlage. Zum einen ist es die Digitalisierung, die nicht nur die Verlagsbranche seit Jahren kontinuierlich verändert, zum anderen haben wir eine zunehmende Zersplitterung des Werbemarktes. Da wir als lokale Zeitung zwei Kundengruppen bedienen, berücksichtigen wir stets gleichzeitig die Interessen unserer Werbekunden und unserer Leser.
Frage: Bleiben wir bei den Werbekunden, über die die Einnahmen generiert weren.
David Weiß: Für unsere Werbekunden müssen wir es auch in den nächsten Jahren schaffen, Mehrwerte zu generieren und sie bei ihrem Geschäftserfolg optimal zu unterstützen. Dafür entwickeln wir neue Formate und Konzepte, sowohl in der klassisch gedruckten Zeitung, als auch in den digitalen Kanälen. Hinzu kommt das gesteigerte Angebot an Werbemöglichkeiten, das uns vor neue Herausforderung in der Kundenberatung stellt. Hier gilt es, unsere Beratungskompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Frage: Und für den Leser?
David Weiß: Für unsere Leser haben wir den Anspruch, auch zukünftig durch qualitative originäre lokale Berichterstattung relevant zu bleiben. Dabei gilt es, weiterhin Lösungen dafür zu entwickeln, die Leser auch bei geändertem Mediennutzungsverhalten in ihrem Alltag effektiv zu erreichen.

Barbara Petermann und David Weiß
blättern in den Ausgaben der ersten Stunde.
Fotos: Ralph Keim

Frage: Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung genau?
David Weiß: In Zeiten des schnellen und stetigen Wandels wird oft alles auf den Prozess der Digitalisierung reduziert. Um hier nicht im Strudel von Trends unterzugehen, hilft es, sich den Kern der eigenen Produkte vor Augen zu führen. Unser Kern sind lokale Nachrichten. Mit diesen schaffen wir wahre Werte wie Zusammengehörigkeit, Wertschätzung, Mitgefühl. Und diesen Kern gilt es zu schützen und zu bewahren. Denn das sind die Werte die gestern, heute und morgen unser gesellschaftliches Zusammenleben prägen. Unabhängig von der Verlagsbranche bin ich der Meinung, dass es in Zukunft mehr darum gehen muss, „werte“volle Produkte zu schaffen, um wahren Fortschritt zu erreichen. Betrachten wir alleine Apple als im finanziellen Sinne wertvollstes Unternehmen der Welt. Dessen Produkte transportieren Werte wie Schönheit, Einfachheit und Perfektion. Das macht die Produkte und das Unternehmen nachhaltig erfolgreich.
Frage: Können Sie den Bogen zur Lokalen Zeitung spannen?
David Weiß: So betrachtet ist unser wertvoller Kern die lokale Nachricht. Diese zu transportieren, über einen Mix aus den richtigen Kanälen und damit eine relevante Leserschaft zu erreichen, wird auch die nächsten Jahre unsere Herausforderung sein. Dabei machen wir uns die Chancen und Vorteile der Digitalisierung zu Nutze. Das gilt sowohl für unsere Produkte selbst und den Transport der lokalen Nachrichten über digitale Medien wie Webseiten, Apps und soziale Medien, als auch bei internen Arbeitsabläufen durch den Einsatz von Software, Cloud-Lösungen und der Automatisierung von Geschäftsprozessen.
Frage: Hat die gedruckte Zeitung eine langfristige Zukunft?
David Weiß: Klares Ja! Es ist noch nie ein Medium verschwunden. Wir erinnern uns an das Lied „Video killed the radio star“, welches das Ende des Radios ankündigte. Das Radio gibt es trotz Fernsehen heute noch als wichtige Mediengattung. Sicherlich wird sich die Medienlandschaft weiter verändern. Hier gilt es zu differenzieren: tagesaktuelle Nachrichten können über digitale Kanäle besser und schneller transportiert werden als über Papier. Unsere lokalen Nachrichten sind „entschleunigte“ Medieninhalte. Zusammen mit der Erscheinungsweise von vier Wochen, kostenlos an alle Haushalte, gedruckt auf Papier, entsteht so ein wertvolles Medienerlebnis. Und daran wird sich so schnell nichts ändern.
Frage: Digital und analog – das passt also!?
David Weiß: Die digitalen Kanäle erweitern das Angebot. So kann ich tagesaktuell auf www.lokalezeitung.de auf neue Inhalte zugreifen. Erhalte zudem alle 4 Wochen die gesammelten Inhalte aus meinem Ort kostenfrei in meinen Briefkasten. Ist das nicht ein charmanter Service?
Frage: Worin liegt eigentlich Ihre persönliche Motivation?
David Weiß: In Zeiten zunehmender politischer Unsicherheiten und einer sinkenden Leistungsbereitschaft bei Ehrenämtern sind Werte wie Zusammengehörigkeit, Wertschätzung und Mitgefühl wichtiger denn je. Durch den Transport dieser Werte in unseren Ausgaben der Lokalen Zeitung leisten wir unseren Beitrag zur positiven Entwicklung unserer Gesellschaft. Und das ganz unmittelbar in unserer direkten Umgebung. Das ist mein persönlicher Antrieb und dafür werde ich mich auch die nächsten Jahre gerne engagieren.
Frage: 20 Jahre Lokale Zeitung – dazu eine prägnante Zusammenfassung.
David Weiß: Unser Kern sind lokale Nachrichten. Mit diesen schaffen wir wahre Werte wie Zusammengehörigkeit, Wertschätzung, Mitgefühl.

Das Interview führte
Ralph Keim

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“