Der Protest gegen die Eingemeindung war groß. „Stimmen Sie mit Nein!“, hieß es in einem Laubenheimer Flugblatt. Foto: Oliver Gehrig

MAINZ–Liebesheirat oder Zwangsfusion? Unter dieser Überschrift steht die Ausstellung zum Thema „50 Jahre Eingemeindung“ der Stadtteile Hechtsheim, Finthen, Laubenheim, Ebersheim, Marienborn und Drais, die jetzt von Oberbürgermeister Michael Ebling im Stadtarchiv, Rheinallee 3b, eröffnet wurde. Sie ist noch bis 30. November zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs zu sehen. Dabei sind in verschiedenen Vitrinen die wichtigsten Dokumente, Verträge, Bilder und Zeitungsausschnitte zur Eingemeindung anschaulich zusammengetragen worden. Der Eintritt ist frei. Die Feierlichkeiten zu den Eingemeindungen gehen am Samstag um 11 Uhr mit einem Festakt im Rathaus unter dem Motto „Gemeinsam sind wir Mainz“ sowie zahlreichen zusätzlichen Veranstaltungen in den sechs betroffenen Stadtteilen weiter.„Unsere Ausstellung soll ein wichtiges Ereignis der Zeitgeschichte sichtbar und spürbar machen“, erläuterte Ebling zur Eröffnung und begrüßte die Ortsvorsteher Franz Jung (Hechtsheim), Herbert Schäfer (Finthen), Gerhard Strotkötter (Laubenheim), Dr. Claudius Moseler (Marienborn) und Matthias Gill (Ebersheim) unter den rund 50 Gästen. Er dankte Prof. Wolfgang Dobras, dem Leiter des Stadtarchivs, und dessen Team für die Recherche und die anschauliche Aufbereitung. Damals wären bei vielen Bürgern Zweifel aufgekommen, heute seien Mainz und seine Stadtteile aber eine „gelebte Partnerschaft“, so Ebling. „Jeder Stadtteil sollte seine eigene Identität behalten“, stellte Kulturdezernentin Marianne Grosse die damalige Prämisse heraus.

 

„Eindeutiges Nein zur Eingemeindung“, hieß es damals in der AZ nach der Bürgerbefragung. Foto: Oliver Gehrig

Das sei insbesondere durch den Bau der Bürgerhäuser, die Erneuerung der Sportplätze und die Erweiterung der Schulstandorte in den Stadtteilen gelungen. Dass es damals vehemente Proteste gegen die Eingemeindung gab, machte Prof. Dobras deutlich. So sprachen sich in den Bürgerbefragungen 81 bis 94 Prozent gegen den Gesetzesentwurf zur Eingemeindung aus. „Stimmen Sie mit Nein!“, hieß es etwa in einem Flugblatt des Laubenheimer Gemeinderates. Besonders groß war der Widerstand in Hechtsheim, der damals größten Gemeinde im Kreisgebiet. Hechtsheim, Finthen und Laubenheim reichten schließlich 1969 Verfassungsklage ein, was aber vom Verfassungsgerichtshof abgelehnt wurde. Der damalige Hechtsheimer Ortsbürgermeister Heinrich Dreibus legte daraufhin aus Protest nach 23 Jahren sein Amtnieder, um den Vertrag nicht unterschreiben zu müssen. Ganz anders die Situation in Ebersheim, das freiwillig und aus eigenem Antrieb fusionierte, und vom damaligen OB Jockel Fuchs mit offenen Armen aufgenommen wurde.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.