Der Moment, als der Sarkophag geöffnet wird. Foto: EKHN

MAINZ – Es war ein historisches Ereignis: Ein 1000 Jahre alter Sarkophag im Alten Dom St. Johannis wurde geöffnet. Ein 14-köpfiges Wissenschaftsteam stand bereit, als sich der Deckel des Steingrabs hob. Nach ersten Erkenntnissen wurde dort ein Geistlicher bestattet. Wer diese Person war und in welcher Zeit sie gelebt hat, ist bis dato noch nicht zu bestimmen. Weitere Untersuchungen werden darüber Aufschluss geben. Zu sehen waren die sterblichen Überreste sowie Stofffragmente mit Goldbordüre. Die Vermutung, dass in dem Grab der Mainzer Erzbischof Erkanbald bestattet liegt, kann bisher noch nicht bestätigt werden. Erkanbald war von 997 bis 1011 Abt von Fulda und von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Erzbischof von Mainz.Für den wissenschaftlichen Forschungsleiter Guido Faccani war die Öffnung des Sarkophags ein ganz besonderer Moment. „Wir haben schnell festgestellt, dass viele Stoffreste in den Sarkophag zu finden sind“, erklärt er.

 

Zumindest eines ist wohl sicher: Der Bestattete war ein Geistlicher. Foto: EKHN

Die Knochen der bestatteten Person seien dagegen völlig verfallen. „Nicht einmal Zähne sind zu finden. Der Verstorbene wurde bei seiner Bestattung wahrscheinlichmit Ätzkalk übergossen, um den Verwesungsprozess zu beschleunigen“, so Faccani. Die Stoffproben werden nun von einer Textilexpertin in Bezug auf Webarten und Muster tiefgehender analysiert um sie einer Epoche zuzuordnen. Für Aufsehen unter den Wissenschaftlern habe zudem eine offenbar nachträgliche Bearbeitung des Steinsargs im Inneren gesorgt. Diese Entdeckung müsse aber noch genauer begutachtet werden. Für weitere Untersuchungen sind rund zwei Wochen vorgesehen. Wie lange es dauert, den Fund genau zuzuordnen, kann derzeit serös nicht gesagt werden. Faccani: „Wissenschaft dauert, so lange sie dauert.“ Der Öffentlichkeit wird das Grab am Samstag, 8. Juni, von 11 bis 15.30 Uhr zugänglich gemacht. Eingang ist im Ostchor. Guido Faccani und Stadtkirchenpfarrer an St. Johannis Gregor Ziorkewicz stehen dann für Erläuterungen bereit. Weitere Infos: www.alter-dom-mainz.de.

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