„Sagenhaft, was der Draiser Autor in seinem Buch „Sagenhaftes Mainz“ an Fake News aus Geg enwart und Vergangenheit entdeckte. Foto: Helene Braun

LAUBENHEIM –Sagen und Legenden, wer kennt den Unterschied? Und vor allem, was stimmt nicht an derMainzer Geschichte? Auf Einladung der SPD Laubenheim durften die Besucher dem ungewöhnlichen Vortrag von Dr. Matthias Dietz-Lenssen lauschen, der Unglaubliches recherchiert hat. Eloquent wie unterhaltsam trug der Ethnologe und Autor frei vor und zog die Menschen in der voll besetzten AWO-Tagesstätte gleich in seinen Bann. Für die Weinprobe war Ortsvorsteher Gerd Strotkötter zuständig, der zwischen den Lesungsabschnitten jeweils einen Laubenheimer Wein ausschenkte und fachkundig erläuterte. Dietz-Lenssen hat für sein Buch „Sagenhaftes Mainz“ zahlreiche historische Sammlungen ausgewertet und die Geschichten soweit möglich auf ihren Ursprung zurückgeführt und in einen historischen Kontext gesetzt. SPD-Vorsitzender Ralf Geißner wollte die Veranstaltung auch als Dank an die Mitglieder für den engagierten Wahlkampf danken. Um zu erklären, wie Legenden überhaupt entstehen, gab Dietz-Lenssen ein paar Beispiele aus der Neuzeit: „Da gibt es die Legende von den verschwundenen Akten und den verschwundenen Daten und so was hält sich.“

 

Oder die Rathaussanierung: „Hier hält sich die Legende, dass ein Neubau billiger wäre als eine Sanierung. Es stimmt nicht, aber gegen Legenden kommt man einfach nicht an.“ Und so sei es auch in der Vergangenheit gewesen: „Was heute gesammelt wird in dicken Büchern und Legenden, hat vielfach hochpolitische Wurzeln.“ Sie wurden mündlich tradiert und beim späteren Niederschreiben kam die Fantasie ins Spiel. Legenden dagegen wollten keine historischen, sondern Glaubenswahrheiten verkünden. So lässt sich die Geschichte beliebig verdrehen und auch lenken. Die 2000-Jahr-Feier in Mainz 1962 unter Jockel Fuchs hat der Stadt „unheimlich viel gebracht, Museen wurden geöffnet, Straßen wurden fertiggestellt, es kamen Investoren.“ Das kriegsgebeutelte Mainz blühte auf. Trotzdem war es ein Fake, wenn man so will, man hatte die Zahlen etwas anders gedeutet und sich auf Agrippa, der 38 v. Chr. ein Militärlager errichtet haben soll, bezogen. Nur ist das nicht bestätigt. Die Geschichte mit Willigis und dem Mainzer Rad stimmt nicht, es gab auch keine römische Siedlung in Laubenheim, nur eine Furt. Unterirdische „Geheimgänge“ stellten sich als Wassersammlerleitungen heraus. Und was war mit dem Schinderhannes? Er war ein Räuberhauptmann, aber da er von den Franzosenhingerichtet wurde, dem Erbfeind, musste er ein Held werden in den Sagen und Legenden.

Teilen
Vorheriger ArtikelVisitenkarten der Kreisvolkshochschule
Nächster ArtikelBrand in Kita gelöscht
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.