Gisela Worf bewahrt die Fotos und die Festschriften vergangener Tage auf. Foto: Helene Braun

GONSENHEIM –Wie gern denkt Gisela Worf an die Zeiten zurück, als noch Leben im Verein war. Als kleines Kind hat sie den Aufbau der Siedlergemeinschaft am Großen Sand bei den Großeltern miterlebt. Sie errichteten in der 1934 gegründeten Siedlergemeinschaft ihr Häuschen, das 1980 dann Gisela Worf mit ihrem Mann Franz bezog. Franz Worf wurde 1995 zum Vorsitzenden des Vereins gewählt und blieb es bis zu seinem Tode vor fünf Jahren. Seitdem sei nichts mehr los im Verein. Gisela Worf zog in die Seniorenresidenz Oranienhof und das Vereinsleben vermisst sie heute umso mehr. „Ich bin nun mal e alt Siedlern“, bekennt sie im Gespräch mit der Lokalen Zeitung.1934 waren es 211 Interessenten, die ein Häuschen in der neu entstehenden Siedlung bauen wollten. 16 Familien blieben nur übrig, denn ein Eigenkapital von 600 Mark konnte nicht jeder aufbringen. Die ersten acht Familien, fast alle ohne Arbeit, wagten es unter schwersten Bedingungen und bald gab es die Straße „Am Bornwald“, dort wo Gisela Worf später mit ihrem Mann lebte. Der Bauabschnitt am Großen Sand folgte, dann die Immelmannstraße und die Manfred-von-Richthofen-Straße. Die Siedlungsordnung gab strenge Maßstäbe vor. Jeder hatte eine gewisse Menge an Obst anzubauen, die Haltung von Vieh wurde angeordnet. Der eine kümmerte sich um den Baumschnitt, ein anderer um den Verkauf von Viehfutter, es wuchs eine verschworene Gemeinschaft heran. 1952 kam noch die sogenannte Post-Siedlung hinzu.Die Siedler erlebten auch den Krieg gemeinsam und viele Männer kamen nicht mehr zurück. Selbst bangte Gisela Worf oft genug im Splittergraben.

 

Doch wenn die Menschen arm und in Not sind, halten sie bekanntlich zusammen und so entstand eine unverbrüchliche Gemeinschaft, das Gebiet wuchs, die Anzahl der Bewohner ebenso. Gerade mal ein Jahr alt war Gisela Worf, als sie bei den Großeltern Vollmer die Stufen hochkrabbelte. „Wir haben in der Turnhalle getanzt, haben dort unsere Männer kennengelernt, haben unsere Kinder in dieser Siedlung geboren“, erzählt sie. Selbst wenn sie, nun allein lebend, die kleinere Wohnung in der Kurt-Schumacher-Straße vorzieht, so würde Gisela Worf doch gerne das Vereinsleben wieder aufnehmen. Sie vermisst die Fastnacht, wo sie selbst als zweite Frau in der Bütt in Mainz stand und 40 Jahre ein Ballett leitete. Mal in ein Weingut fahren oder eine Bootstour zu machen wie früher, zusammen mit den anderen, das wünscht sie sich. „Ich bedauere, dass das Vereinsleben so gut wie nicht mehr vorhanden ist“, sagt Gisela Worf. In diesem Jahr wird der Verein, der später in Wohngemeinschaft am Großen Sand umbenannt wurde, 85 Jahre alt.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.