Über die regionalen Grenzen hinaus bereichert das Kammermusikensemble Laubenheim seit zehn Jahren das Kultur- und Konzertleben. Foto: Helene Braun

LAUBENHEIM –Schon bei den ersten warmen und intensiven Tönen, die Johannes Christ an der Oboe erklingen lässt, ist das Publikum im voll besetzten katholischen Pfarrzentrum im Bann. Christ, der bei Ralph Robert Vaughn Williams` Konzert für Oboe und Streicher a-Moll das Solo spielt und zugleich die Streicher mit seinem Körper dirigiert, ist unbestritten der Star des Abends. „Mary Poppins wird jedoch nicht kommen wie auf dem Plakat abgebildet“, kündigt er launig das Konzert für das Kammermusikensemble Laubenheim (KAMEL) „bei englischem Wetter und drohendem Brexit“ an. Der Titel: „British Century –Musik aus einem Jahrhundert britischer Geschichte“. Zwischen Elgar und Jenkins hat das Ensemble unter Gesamtleitung von Alvaro Camelo einen bunten Bogen gespannt. Seit Jahresbeginn haben die rund 20 Streicher dafür geprobt. An Ralph Vaughn Williams fasziniert Christ die Verbindung von englischen Volksliedern und der Musik der englischen Renaissance.

 

Im Zusammenhang mit seiner Bachelorarbeit über den Komponisten hat sich das britische Programm des Abends entwickelt. Intensiv nimmt er das Publikum auf der Oboe mit, die Streicher setzen in ganz sanften Übergängen ein und so taucht immer mal wieder das Solo im Gesamtklang ab, kommt wieder hervor und dies alles auf eine Weise, die dem Begründer der englischen Schule des Oboenspiels, für den es geschrieben wurde, sicher sehr viel Genuss bereitet hätte. Beeindruckend zu beobachten, wie Johannes Christ, ganz Musik, den Körper zum eigenen Spiel wiegt und damit den Streichern das Tempo vorgibt, mit zackigem Kopfnicken Einsätze startet und dabei nie die Konzentration auf die eigene sehr beachtliche Ausdrucksfähigkeit verliert. Dem heiteren überschwänglichen Charme von Edward Elgars Charme Serenade für Streicher e-Moll, op. 20, die er 1892 komponierte, lässt sich im zweiten Teil kaum widerstehen. Hundert Jahre später schrieb Karl Jenkins (*1944) sein bekanntestes Werk Palladio, in dem sich die Faszination für alte, barocke und renaissancezeitliche Stile und die Suche nach einer harmonischen und mathematischen Ordnung in der Musik ausdrückt. Das passt ebenso in das britische Programm wie Benjamin Brittens (1857-1934) bekannte Simple Symphony zum grandiosen Schluss. Ganz neu dabei: Das neue Streicherensemble Stella zeigt sich, obwohl es erst am Anfang steht, dennoch schon bühnenreif mit Bachs „Mein Gläubiges Herz“ zwei weiteren Stücken von Bernhard Barrell und Joyce Howard Barrell.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.