Zur Entpflichtung vom Amt legte Dekan Andreas Klodt Pfarrer Klaus Wallrabenstein die Hände auf. Foto: Helene Braun

EBERSHEIM/ZORNHEIM –Vielmehr Gemeindepfarrer als Verwalter habe er immer sein wollen, sagte Pfarrer Klaus Wallrabenstein kurz vor seiner Entpflichtung der Lokalen Zeitung. Dass ihm das gelungen ist, zeigten die vielen traurigen Gesichter der Gemeinden Zornheim und Ebersheim in der Ebersheimer Kirche, die kaum Platz bot für all diejenigen, die persönlich Abschied nehmen wollten. Denn Pfarrer Klaus Wallrabenstein zieht es nun mit seiner Familie nach Flacht bei Diez/Limburg. Fast zwölf Jahre hat der heute 56-Jährige in den beiden Kirchengemeinden gewirkt. Und bei seiner Abschiedspredigt wählte Wallrabenstein das Bild des Raumschiffs Enterprise, das sich mit einer 1950 Mann starken Besatzung aufmacht, fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Dass das Raumschiff aber merklich an Besatzung verliert, lässt ihn besorgt in die Zukunft blicken, wo Menschen kurz nach der Hochzeit oder der Taufe des Kindes austreten aus der Kirche. Auch das hat er erlebt. Und er übte noch an anderer Stelle Kritik: „Dass wir manchmal Lichtjahre von Darmstadt entfernt sind, das dürfte auch den anwesenden Kollegen und auch dem Dekan nicht ganz unbekannt sein.“ Hier sprach Wallrabenstein von „Gesetzen und Verordnungen, die viel Arbeit bereiten und wenig zum Miteinander in der Gemeinde beitragen.“ Dekan Andreas Klodt erhob den Spruch „Mit Gott reden wie ein Mann mit seinem Freund redet“ zur Tageslosung und sagte: „So funktioniert auch Gemeinde.“Das Bild des Raumschiffs aber passte auch zum Bibelvers aus dem Psalm 31, den Wallrabenstein für diesen Tag gewählt hat: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Denn das bedeute auch, „dass wir nicht nur an einen Ort gesandt sind, sondern auch weiterziehen und Neues ausprobieren können.“

 

Sich Herausforderungen zu stellen, habe er sich immer bemüht, ob im Spezialvikariat in England, ob im Pfarrvikariat in Ostdeutschland, in Sachsen, wo er eine Autobahnkirche bauen durfte. Klaus Wallrabenstein studierte Theologie in Marburg, Hamburg und Frankfurt. Er wirkte in der Lazarus-Gemeinde der Nieder-Ramstädter Diakonie und schließlich in Zornheim und Ebersheim, wo er an der Pfarrkirche mit baute und Erstbezieher war. Dekan Andreas Klodt, der Wallrabenstein zur Entpflichtung die Hände auflegte, würdigte dessen Wirken und nahm beim anschließenden Empfang noch einmal persönlich Abschied. Klaus Wallrabenstein dagegen hält es mit Flaubert, der sagt: „Ich mag es, wenn etwas zu Ende geht, weil es bedeutet, dass etwas Neues beginnt.“ Doch so ganz geht er noch nicht, ein paar Gottesdienste sind noch zu halten, bevor er am 1. Juni die Stelle in Flacht antritt.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.