Ein nahezu unberührtes Naturidyll. Doch das Mombacher Rheinufer ist gerade bei schönem Wetter auch ein beliebtes Ausflugsziel - mit mit meist unschönen Folgen. Foto: Ralph Keim

MOMBACH – Es ist ein wahrlich schönes Fleckchen Erde: Am Mombacher Rheinufer, direkt gegenüber vom Schiersteiner Hafen, kommt man sich nicht unbedingt vor wie in einer Großstadt. Hier rollen die Wellen auf einen feinen Sandstrand. Hier bieten mächtige Bäume Schatten. Hier zwitschern die Vögel, hier schnattern die Enten. Hier könnte die Natur noch Natur sein – wenn es nicht Zeitgenossen geben würde, die hier abfeiern und bergeweise ihren Müll hinterlassen. „An manchen Abenden halten sich hier bis zu 200 Personen auf.“ Nicht nur Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) ist der ausufernde Freizeitspaß auf Kosten von Flora und Fauna ein Dorn im Auge. Auch ihre Amtskollegin, Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU), will es nicht länger hinnehmen, dass unverantwortliche Bürger das Mombacher Rheinufer als ihre kostenlose Party-Ballermann-Grill-Meile missbrauchen. Bei einem Termin vor Ort machten beide Dezernentinnen unmissverständlich klar: Die Stadt wird in diesem Sommer das Rheinufer bei Mombach verstärkt kontrollieren – selbstverständlich zu Zeiten, wenn das Volk feiert.

Wirtschaftsdezernentin Matz (links) und Umweltdezernentin Eder haben verstärkte Kontrollen
am Mombacher Rheinufer angekündigt. Foto: Ralph Keim

Und da es sich bei diesem Bereich um ein Naturschutzgebiet handelt, könnten für die Bratwurst und den Fleischspieß Bußgelder in Höhe von bis zu 50000 Euro fällig werden. Denn das Mombacher Rheinufer stellt den letzten naturnahen Auenbereich des Rheins im Stadtgebiet von Mainz dar. Das insgesamt rund 64 Hektar große Areal ist seit 1995 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier ist es noch nicht einmal gestattet, das große Handtuch auszurollen und auf dem Rücken liegend die Wolken zu beobachten – ganz zu schweigen von Grillfeten und sonstigen Freizeitaktivitäten. „Die Natur hat ihr absoluten Vorrang“, unterstrichen die beiden Dezernentinnen. Die anwesenden Mitarbeiter des Ordnungsamtes bekamen beim Termin vor Ort gleich Arbeit und mussten mehrere Fahrradfahrer belehren, dass auch das nicht gestattet ist.

 

Manchmal sieht es am Mombacher Rheinufer noch viel schlimmer aus, was den Müll angeht.
Foto: Ralph Keim

Denn in einem Naturschutzgebiet hat der Mensch sich an die ausgewiesenen Wege zu halten – gerne als Spaziergänger, sonst nicht. Denn wie vielfach in der heutigen Zeit hat sich auch das Mombacher Rheinufer über die eingängigen Kanäle irgendwann als „Geheimtipp“ verbreitet. „Aktive des NABU kommen schon lange regelmäßig hierher, um das Rheinufer ehrenamtlich vom Müll zu befreien“, erläuterte Umweltdezernentin Eder weiter und richtete ein ausdrückliches Lob an die Aktiven. Um die Naturoase am Rhein mit ihrer reichhaltigen Flora und Fauna zu erhalten und für den Menschen erlebbar zu machen, gebe es für den Menschen einfache Regeln: Die offiziellen Wege sind eindeutig markiert. Hinweisschilder informieren über das Gebiet und die wichtigsten Vorschriften. Das Baden und Grillen in einem Naturschutzgebiet sind generell verboten. Detaillierte Infos gibt es unter der städtischen Homepage mainz.de. Das Ordnungsamt werde zunächst sensibel und mit Einfühlungsvermögen an das Problem herangehen, was jedoch nicht bedeute, dass man bei den Kontrollen ein Auge zudrücken werde. Die Vorgehensweise, die letztlich definitiv an den Geldbeutel gehe, habe auch im Volkspark letztlich ihre Wirkung gezeigt, wo die Stadt „Wild-Griller“ bereits erfolgreich in die Schranken habe weisen können.

Die Ankündigung der Stadt (hier Umweltdezernentin Eder) stieß auf großes Medieninteresse.
Foto: Ralph Keim
Teilen
Vorheriger ArtikelDe-La-Roche-Anlage wird aufgewertet
Nächster ArtikelTrotz Zeuge einfach getürmt
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“