Passt zu Ostern: das Kreuz auf dem Radweg von Bodenheim nach Klein-Winternheim. Als Dank für die Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft in 1950 errichtet. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

GAU-BISCHOFSHEIM – Der Pfarrer der evangelisch-unierten Kirchengemeinde Harxheim/Gau-Bischofsheim, Stephan Sunnus, im Gespräch über Ostern und die Passionszeit.

Lokale Zeitung: Herr Pfarrer Sunnus, welche Bedeutung können die Christen von heute aus dem für wichtigsten Fest herauslesen?

Stephan Sunnus: Ostern ist Gottes Dienst an uns, dass wir auch so sein können. Diese Kraft ist genauso da wie die Kraft des Lebens in der Natur. Frei werden zu einem geheilten Leben, wie es in Jesus da war. Das kommt mit Ostern als Möglichkeit in die Welt, als eine Kraft für jeden Menschen.

Lokale Zeitung: Was bedeutet es Ihnen persönlich?

Stephan Sunnus: Das möchte ich an mir als befreiende Kraft wirken lassen. Das heißt: Zerstörerisches los zu sein, leicht und fröhlich zu werden und mich davon tragen lassen. Meines Erachtens ist für die Zukunft unseres Glaubens elementar wichtig, dass wir Christen dieses Erlösungsgeschehen, dessen beider Pole Karfreitag und Ostern sind, an uns wirken lassen. Es leben und davon reden. Diese Fragen beschäftigen mich besonders in diesen Tagen.

Lokale Zeitung: Welche Bedeutung sehen Sie in der Zeit, die dem Fest vorausging?

Stephan Sunnus: In der Passionszeit, wie sie bei uns Evangelischen heißt, denken wir an den Leidensweg Jesu, der ihn ans Kreuz führte. Wir Christen glauben, dieses Leiden und Sterben bedeutet etwas für uns. Im Kern ist unsere Religion eine „Erlösungsreligion“. Wir werden frei von etwas – von den zerstörerischen Anteilen in uns, mit denen man sich und anderen das Leben schwer macht und die man durch eigene Kraftanstrengung nicht loswerden kann. Das stirbt quasi mit Jesus am Kreuz.

Lokale Zeitung: Und wie steht es um das Festen selbst?

Stephan Sunnus: Ursprünglich geht es darum, auf etwas „Angenehmes“ zu verzichten, um damit Gott zu zeigen: Ich tue das deinetwegen. Du bist mir so wichtig, dass ich das tue. Fasten ist also ähnlich wie ein Opfer. Etwas für Gott tun. Heute geht es weitgehend darum, dass man beim Fasten für sich selbst oder die Umwelt etwas Gutes tut: Um den Horizont zu erweitern, neue Erkenntnis zu gewinnen, innerlich zu wachsen. Da steht das eigene Ich im Vordergrund. Das ist etwas völlig anderes und hat mit dem ursprünglichen Fasten wenig zu tun.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.