Begehrtes Gut: ausrangierte Straßenschilder aus Mainz. Fotos: Gregor Starosczyk-Gerlach

HECHTSHEIM – Das größte Gedränge herrscht bei den historischen  Straßenschildern. Es ist 9.35 Uhr. Für 10 Uhr hat die Straßenverkehrsbehörde den Beginn des Straßenschilderflohmarkts anberaumt. Die überzeugten Sammler sind indes längst am Werk. Wer Glück hat, findet das Schild mit der Heimatadresse.

„Ich bin von der Nachfrage völlig entgeistert“, sagt die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). Die Hausherrin ist eine Viertelstunde vor dem geplanten Startschuss auf das Gelände der Straßenverkehrsbehörde in Hechtsheim gekommen und habe staunen müssen, sagt sie. Vor Kurzem erst, erzählt sie, sei die Idee aufgekommen, die ausrangierten Straßenschilder nicht zu entsorgen, sondern zu veräußern. Über 300 Originalverkehrszeichen sind aus den Lagerräumen auf den Markt gekommen: zum größten Teil Schilder mit Straßennamen. Jene in Blau, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Straßen markieren, die parallel zum Rhein verlaufen, und die in Rot von den Wegen, die quer zum Fluss angeordnet sind. „Wie haben aber auch Besonderheiten dabei, beispielsweise Zeichen wie ,Achtung Straßenbahn’, ,Ladezone’ oder ,Feuerwehrzufahrt’“, zählt Eder auf.

Die Metall- und Kunsttafeln gehen wie warme Semmeln über die provisorische Ladentheke. „Was kostet das nun zusammen?“, erkundigen sich zwei Freunde aus Rüsselsheim. Sie haben neun Schilder gesammelt: ein „Tempo-60“-Zeichen, dann „Achtung Straßenbahn“ und ein seltenes Schild mit der Adresse „Schul-Straße“. Emaille-Schilder werden heute kaum mehr hergestellt, bemerkt eine junge Frau, die daneben steht. „Dies ist zu teuer.“ – „Aber schön“, fügt sie hinzu. „Was wollen Sie denn dafür ausgeben?“, fragt der Verkäufer. Letztendlich handeln die zwei Herren, die ihre Gartenhütte schmücken wollen, einen Sonderpreis aus.

Die Verkehrsdezernentin hat ebenso ein Souvenir erworben. Ein „Radfahrer frei“-Schild. „Das kommt bei mir ins Büro.“ Die Kollegen aus der Behörde wollen die Gesamteinnahmen übrigens spenden, sagt sie. Bekommen wird es der 1997 gegründete Verein, „Armut und Gesundheit in Deutschland“, der sich mit Hilfsprojekten für arme und notleidende Menschen einsetzt.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.