Bretzenheim-ZMO-Absinto: Können, gepaart mit Spontaneität und Temperament: Das Absinto Orkestra kommt gerne zum ZMO. Foto: Helene Braun

BRETZENHEIM – Zum Sterben schön klingt die Geige von Jolly Reinig beim Stück „Jovana Jovanke“, einem der seelenvollen Lieder an diesem Abend im ZMO. Wenn man in den Terminkalender auf der Website des Absinto Orkestras schaut, wird einem schwindlig. Doch nun sind sie wieder da und füllen die ehemalige Schlecker-Filiale, die Vereinsvorsitzende Jutta Hager mit ihrem Team in eine präsentable Kulturstätte mit hochkarätigem und vielfältigem Programm sowie einem Second-Hand-Verkauf verwandelt hat, bis zum Platzen. „Heute wird wieder gefeiert!“: Der Titel des Konzerts deutet nicht nur auf die lebendige Musik, sondern auch das Ende. Nicht ziehen lassen wollen Besucher die Band und tanzen und feiern. „Voll krass, das geht echt ins Blut“, urteilt eine Besucherin.

Gypsy-Swing und Balkan-Jazz, irgendwo dazwischen bewegt sich der Musikstil. Genauso gut kann es vorkommen, dass man mexikanische Klänge mit orientalischen vereint findet. Traditionals wie „Schwarze Augen“ oder „Jovana Jovanke“ erhalten durch die lebendige und künstlerisch hochwertige Interpretation der Profimusiker, von denen jeder noch eine ganz eigene Karriere vorzuweisen hat, eine völlig neue Qualität. Absinto Orkestra zelebriert das Leben: Liebe und Vergänglichkeit, Witz und Sehnsucht, Melancholie und Rausch, beeinflusst von der liebenswerten Sinti- und Roma-Kultur. Das Star-Trek-Thema gehört genauso zum Repertoire wie die deutschsprachigen Songs „Männer in der Nacht“ oder „Baina banal“. Die Musiker gehen gleich in die Vollen und setzen beim zweiten Stück noch einen drauf. Und bald beginnen die ersten Kinder zu tanzen, Erwachsene und Jugendliche trauen sich erst später.

Da ist François Heun, neu und virtuos am Sopransaxofon, das viele für eine Klarinette halten. Da ist Frontmann Stefan Ölke mit den bessarabischen Wurzeln, der sein Temperament kaum im Zaum halten kann, oder Jolly Reinig mit der seelenvollen und manchmal teuflisch schnellen Geige, der die Klassik liebt. Und Pavel Klimashevski, der studierte Musiker, der seine eigene Big Band hat. Oder Jo Schappert, der Gitarrist, der komponiert und auch das Management innehat. Weltmusik, das scheint der treffende Begriff für das, was sich eigentlich nicht einordnen lässt. Dafür stehen auch die verschiedenen Herkunftsländer der Musiker, sie sind aus Rheinland-Pfalz, aus Hessen, aus Russland und Frankreich. Tipp: In Leeheim an der Büchner-Bühne haben die Absintos, unerschöpflich in ihrer Kreativität, das Theaterprojekt „Die Bettleroper“ gestemmt. Aufführungen finden noch statt.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.