Die erste Planungsrunde Maria 2.0 ist vorbei, die Teilnehmer sind optimistisch. Foto: Helene Braun

NIEDER-OLM – Ist es eine Revolution, ein Zeichen an die Welt oder nur an die Pfarrei St. Franziskus von Assisi Nieder-Olm. Und was soll man sich unter einem Streik der ehrenamtlich tätigen Frauen in Nieder-Olm vorstellen? Wird es überhaupt jemand bemerken? Katholische Frauen stehen auf für Gleichberechtigung und Erneuerung. „Eine tollkühne Idee“, sagt vielleicht der eine. „Höchste Zeit“, ein anderer. Die Menschen, und es sind nicht nur Frauen, die sich zum diesem Thema im Camarahaus treffen, wollen nicht umstürzen, aber erneuern. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Andrea Keber sagt: „Wir wollen eine echte Erneuerung unserer Kirche. Wir wollen mitgestalten und mitbestimmen.“ Vom 11. bis 18. Mai heißt es im Nieder-Olm deshalb: Aktion Maria 2.0, die Frauen streiken und Josef vielleicht auch. Konkret geht es weiter um die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern, die Haltung der Kirche zur Sexualmoral und die Abschaffung der Machtstrukturen in der katholischen Kirche.

Daher sind alle Frauen und alle, denen die Zukunft der Kirche am Herzen liegt, in der Zeit vom 11. bis 18. Mai 2019 zu einem „Kirchenstreik“ aufgerufen. Das ist Konsens in der Maria 2.0-Gruppe, die Details der Sonntagsveranstaltung werden noch ausgearbeitet. Auch am Dienstag der Streikwoche, wenn Markt ist in Nieder-Olm, wollen sie sich blicken lassen und auf die Aktion aufmerksam machen.

„Maria 2.0“ ist eine Initiative, die ihren Anfang in einem Lesekreis im Bistum Münster fand. „Auch wir als Pfarrgemeinde wollen und müssen uns für einen Weg einsetzen, der es uns und den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben! Weil wir hier beheimatet sind, weil uns trotz allem viel an ihr liegt. Damit es wieder um die Botschaft Jesu geht“, so lautet ein Stück des Textes auf dem Flyer, den man jetzt überall findet. „Wir hoffen auch auf zahlreiche Besucher unserer Pfarrgemeinde“, führte Keber weiter aus. Zur Pfarrgemeinde St. Franziskus gehören nämlich auch Zornheim und Sörgenloch.

Leicht fällt es den Nieder-Olmer Frauen nicht, alle kirchlichen Ehrenämter für ein Woche ruhen zu lassen, denn zugleich fürchten sie, gerade die Kinder und die Alten im Stich zu lassen. Aber ist man sich einig: „Es muss schon weh tun, sonst verpufft die Aktion.“ Eine Woche Kirchenstreik der Frauen – das könnte konkret heißen: Keine liturgischen Dienste (Lektorinnen, Kommunionhelferinnen), keine Ministrantinnen, keine von Frauen geleitete Wort-Gottes-Feiern, keine Maiandachten, keine Teilnahme an Sitzungen und Treffen von Ausschüssen, keine Powerclubtreffen, kein Ehemaligenwochenende der Erstkommunionkinder, kein Ministrantenausflug, keine ehrenamtliche Taufkatechese. Pfarrer Hubert Hilsbos sieht es gelassen, er stärkt der Gruppe sogar den Rücken.

Am Sonntag, 12. Mai laden die Frauen um 10.45 Uhr in die Kirche St. Georg Nieder-Olm zu einer Wort-Gottes-Feier ein. Hier wollen sie feiern, beten, singen und ihren Protest zum Ausdruck bringen.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.