Das zum Quartett erweiterte ehemalige Trio spielte beim ZMO furios auf. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM– Klezmer ist eine aus dem Judentum stammende Volksmusiktradition, die von Osteuropa aus längst ihren Siegeszug durch die Welt angetreten hat. Dass Klezmermusik auch in Deutschland immer beliebter wird, machte jetzt das beeindruckende Konzert des deutsch-schweizerischen Freilach Trios beim Verein „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) deutlich, zu dem die ZMO-Vorsitzende Jutta Hager mehr als 150 erwartungsvolle Zuhörer im proppenvollen Veranstaltungsraum begrüßte. „So einen Andrang hatten wir lange nicht mehr“, sagte Jutta Hager zur Lokalen, während zusätzliche Stühle aus der ZMO-Kleiderkammer geholt wurden. „Es spricht sich herum, das Trio ist schon zum dritten Mal bei uns.“                                                    Das Konzert startete sehr ruhig und gefühlvoll. Die Schweizer Klarinettistin Heidy Huwiler und ihre kongeniale musikalische Partnerin Magdalena Irmann am Akkordeon schritten zu sehr langsamer, klagender Musik in Richtung Bühne, wo bereits der deutsche Kontrabassist Valentin Kolar wartete. Dann waren die drei Vollblutmusiker in ihrem Element. Die melodieführende Klarinette gab meist den Ton an, wurde aber häufig durch das Akkordeon ergänzt. Der Spannungsbogen war bei vielen Liedern wie ein wiederkehrendes Muster: von ruhig und getragen über einen dynamischen, oft lauten und aggressiven Mittelteil zu einem versöhnlichen, ruhigen Ende.

Offensichtlich wurde, dass die Klezmermusik Gefühle in Töne setzt. Besonders beeindruckend war, welch unterschiedliche Töne Klarinettistin Huwiler aus ihrem Instrument hervorzauberte. Die Hintergründe erläuterte Kontrabassist Kolar dem Publikum: „In der Klezmermusik gibt es viele Ausdrucksformen auf der Klarinette. Sie kann singen, lachen, seufzen, klagen und schreien.“ Klarinettisten benutzten viele Spielweisen und Tricks, die oft geheim seien. Dann wurde das Trio zum Quartett, als der Mainzer Musikstudent Jan Köhler mit seinem Vibrafon die Gruppe bereicherte. Das Quartett spielte das von Kolar selbst geschriebene Stück „Der ewige Kreislauf“, anschließend sang Irmann das klagende jiddische Lied „Meine schöne Wüstenblume“. Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus des begeisterten Publikums, den sich die vier Musiker für diesen tollen Auftritt redlich verdient hatten.

Teilen
Vorheriger ArtikelGute Laune im Exil
Nächster ArtikelBienenstöcke gestohlen
Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.