Das SGL-Männerballett in Aktion. Foto: Ivo Wittich

LAUBENHEIM – Ein fulminanter Fastnachtsabend geht nach gut sechs Stunden bei der Kostümsitzung der Schwarzen Gesellen, die sehr bunt daherkommen, schunkelnt zu Ende.
Der kleine Verein leistet mit seinen rund 250 Mitgliedern, von denen mehr als 100 beim Programm mitwirken, der Fastnacht einen großen Dienst: Farbenfroh und Vielfalt, nicht nur dank ihrer Ballettmädchen, die drei ausgefeilte Nummern in drei Altersklassen auf die Bühne zaubern. Vor allem durch ihre Ballettmänner, die zweimal echte Glanzpunkte setzen. Die SGL tun etwas für die Gleichberechtigung.
Verve und Hingabe aller Bühnenaktiven sind außergewöhnlich – da steckt viel Herzblut und viel Worte- und Noten-Feilen drin.
Schon Protokoller Peter Häffner überzeugt durch seine kleinen Musikparodien, in denen er geschickt der Politik auf den Zahn fühlt. Statt ein bisschen Frieden heißt es bei ihm: „Ein bisschen Feinstaub, ein bisschen Fahrspaß, ein bisschen Diesel, das gönn ich mir. Lass das doch sein die Hysterie, doch leg den Scheuer über’s Knie.“
Auch der 18-jährige Nick Stenner als Fahrschüler macht eine glaubwürdige Figur, als er davon berichtet, wie er fünf und mehr Fahrlehrer verschleißt. Ein Highlight setzen die Frauen vom Kirchenchor: Ihre Nummer „SGL’s next Topmodel“ ist voller Witz und Ironie. Die Kostümwechsel zeigen. Hier bei der SGL versteht man nicht nur bei jeder einzelnen Darbietung, sondern auch aufs Ganze gesehen viel von Dramaturgie, Timing und Rhythmuswechsel.

Zugegeben, man bedient sich musikalisch bei den Großen, die die gute Stimmung garantieren: Abba. Selten wurde das schwedische Universalmusikgut so passend von einem Männerballett präsentiert. Mit opulenten Oberweiten und auch tänzerisch gelungen.
Ob Freude am Singen bei den Rabensängern auch reicht? Dem Chor gelingt es mit seinem Baustellenlied, Tempo rauszunehmen, ein unernstes Thema ernsthaft vorzutragen – auch das ist Komik und ein gelungener Abschied in die Pause.
Danach geben drei Männer aber sofort wieder Vollgas. Allen voran Christian Merten als unbedachte Kundin in Meckermanns Reisebüro. Wenn sie (er) aus ihrem Koffer den rosa Bikini zieht und sich auf eine Reise zum „Bikini- a, toll!“ freut, tobt der Saal. Danach folgt Klaus Schmitt als Rentner, der nach vergeblichen Bemühungen bei Paarship sich lieber für ein „paar Schoppe“ entscheidet.

Wie die Tänzerinnen unter der Anleitung von Julia Keil stilsicher kostümiert als Schmetterlinge zu den Klängen von Mambo No. 5 über die Bretter schwingen, flattern und stampfen, ist eine Augenweide.
Die Tanzschritte sitzen, die Töne und die Kalauer auch – vielleicht fehlen noch ein paar Zwischentöne, wie sie gekonnt der „Jean aus Bodenhum“ mit roter Narrennase, der katholische Pfarrer Gerold Reinbott, setzt: „Jetzt, wo die stille Zeit vorbei ist, geht’s bei mir auch wieder ruhiger zu.“ Dass die Schwarzen Gesellen ohne einen einzigen Gastredner ein wirklich abwechslungsreiches Programm auf die Beine stellen, ist aller Ehren wert.

Dass auch die beiden Geistlichen in die Bütt steigen, zeigt: Fastnacht bietet Verständigung auf vielen Ebenen. Pastor Wolfgang Drewello verabschiedet sich als Einsiedler nach 40 aktiven Fastnachtsjahren passend: „Wir sind alles bloß Menschen und Narren! Helau!“
Fazit: Den Schwarzen Gesellen Laubenheim gelingt allein mit Eigengewächsen ohne einen einzigen Gastredner ein wirklich buntes Programm mit viel Rot, Chapeau, weiter so!

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