Mit einer akademischen Feier hat die Sängervereinigung ihr Jubiläumsjahr begonnen. Foto: Ralph Keim

LAUBENHEIM – 1844 gründete sich in Laubenheim ein Männerchor, 1871 ein Gesang- und Arbeiterbildungsverein. Wir haben bereits darüber berichtet. Es waren die Nationalsozialisten, die beide Chöre im Jahr 1939 zwangsweise zusammenführten.
Diese zunächst ungewollte Sängervereinigung führte die Tradition des Chorgesangs in Laubenheim nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs allerdings weiter. Und es ist die Jahreszahl 1844, auf die sich die Sängervereinigung Laubenheim heute noch beruft, wenn es darum geht, die Gründung zu feiern – in diesem Jahr also das 175-jährige Bestehen.

Festrednerin war Kulturdezernentin Marianne Grosse. Foto: Ralph Keim

Im Katholischen Gemeindezentrum gab es zu dem eindrucksvollen Jubiläum eine akademische Feier, mit Kulturdezernentin Marianne Grosse als Festrednerin. Sie unterstrich die Bedeutung der Sängervereinigung für das Leben im damaligen selbstständigen Laubenheim und im heutigen Mainzer Stadtteil Laubenheim. Auch unterstrich die Kulturdezernentin die Bedeutung des Ehrenamts, ohne das auch ein Chor wie die Sängervereinigung nicht so lange bestehen könnte.
Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter beleuchtete die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts. „Wer damals als Mann Mitte 50 war, hat vielleicht zuvor am Russland-Feldzug von Napoleon teilgenommen.“ Und er hat sich im reifen Alter in Laubenheim lebend vielleicht dem 1844 neu gegründeten Männerchor angeschlossen.

In den zurückliegenden 175 Jahren habe die Gesellschaft viele schreckliche Ereignisse gesehen, so Strotkötter weiter mit Blick unter anderem auf die beiden Weltkriege. Was die Chöre und später die Sängervereinigung angehe, habe es in dieser Zeit aber auch unzählige wunderbare Auftritte in und für Laubenheim gegeben. „Die Sängervereinigung ist eine der tragenden Säulen der Laubenheimer Ortsgemeinschaft“, so der Ortsvorsteher.
Für den Präsidenten des Chorverbands Rheinland-Pfalz, Karl Wolff, ist eine Gesellschaft ohne Vereine grundsätzlich nicht denkbar und vorstellbar. Chöre wie die Sängervereinigung gehörten zu den „Bewahrern von wertvollen Traditionen“.
Entgegen manchen Pessimisten zeichnete der Präsident keinesfalls ein düsteres Bild der Chorlandschaft. Es gebe zwar immer wieder Auflösungen, aber insgesamt würden mehr Chöre neu gegründet als aufgelöst. „Der Chorgesang hat also weiterhin Zukunft“, bekräftigte Wolff.

Selbstverständlich wurde die akademische Feier von den beiden Chören der Sängervereinigung, dem Männerchor und dem HeartChor, beide unter der Leitung von Antonio Sarnjaj, musikalisch umrahmt. Eine kleine Fotoausstellung zeigte die Entwicklung der Sängervereinigung in Bildern.
Und so feiert die Sängervereinigung unter dem Vorsitz von Nils Böttcher weiter das große Jubiläum: Am 17. Mai ist ein Freundschaftssingen geplant, am 18. Mai der Laubenheimer Abend. Beginn ist jeweils um 19 Uhr im Laubenheimer Sportzentrum. Das traditionelle Jahreskonzert wird in diesem Jahr im Herbst stattfinden. Geplant ist auch, dass die Sängervereinigung am Spiel der Herzen von Mainz 05 teilnimmt.