Wirtschaftsdezernentin Matz will über das Zentrenkonzept zumindest diskutieren. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Es ist ein abstraktes Konstrukt, über das auch falsche Vorstellungen vorherrschen. Die Rede ist vom Zentrenkonzept, das vor knapp 14 Jahren beschlossen und seitdem immer wieder fortgeschrieben wurde. Es dient der Einzelhandelsentwicklung, allerdings nicht dazu, die „Kleinen vor den Großen“ zu schützen, also das kleine, inhabergeschützte Fachgeschäft vor der Filiale einer übermächtigen Kette. Vielmehr soll das Zentrenkonzept dazu beitragen, dass der Einzelhandel nicht nur in der City, sondern auch in den Ortskernen der einzelnen Stadtteile gestärkt wird.
Doch erfüllt das Zentrenkonzept überhaupt seinen Zweck? Oder soll es überholt, gelockert oder gar abgeschafft werden? Die neue Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) will über das Zentrenkonzept zumindest reden und hat dazu Vertreter von Wirtschaft und Einzelhandel im Rathaus an einem sogenannten Runden Tisch versammelt. Dort gingen die Meinungen diametral auseinander: „Das Zentrenkonzept ist überflüssig und erfüllt seinen Zweck nicht“, sagte beispielsweise Karsten Lange, Vorsitzender des Gewerbevereins der Mainzer Neustadt. „Wir brauchen das Zentrenkonzept auch weiterhin“, entgegnete Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen.
Karsten Lange nannte als Beispiel den Bereich Hattenbergstraße und Bismarckplatz, wo sich die dort niedergelassenen Nahversorger wegen des Zentrenkonzepts nicht erweitern können. Dieser und andere Teile der Neustadt hätten vom Zentrenkonzept überhaupt nicht profitiert.

„Das Zentrenkonzept schützt den Mittelstand“, entgegnete Anja Obermann und nannte als Beispiele familiengeführte Metzgereien und Bäckereien. Dem wiederum entgegneten die Vertreter aus Hechtsheim, dass dort bald der letzte Metzger schließen werde. Jan Sebastian-Willenberg, Einzelhändler in der Innenstadt und Vorsitzender des Einzelhandelsverbands, machte darauf aufmerksam, dass Hechtsheim von Großhandelsunternehmen auf der grünen Wiese geradezu umzingelt sei. Das genannte Hechtsheimer Problem sei oft auch darin begründet, dass alteingesessene Betriebe keine Nachfolge finden und deshalb schließen. Hinzu komme das geänderte Kaufverhalten der Bürger, einhergehend mit den Möglichkeiten des Internets.
Jan Sebastian-Willenberg forderte von der Politik, dass ansiedlungswillige Unternehmen entsprechende Flächen zur Verfügung gestellt bekommen. Städte wie Wetzlar und Offenbach seien Negativbeispiele dafür, dass Innenstädte regelrecht aussterben können. Auch plädierte er für einen preiswerteren ÖPNV, der das Einkaufen in der Stadt wieder attraktiver mache. Und er forderte eine Stärkung der Wirtschaftsförderung, die in Mainz personell definitiv unterbesetzt sei.

 

IHK-Hauptgeschäftsführer Jertz will erst einmal die Ergebnisse der Kommunalwahl abwarten. Foto: Ralph Keim

Das unterstrich auch IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz, der ein Gesamtkonzept für eine attraktive Innenstadt forderte. Er verschwieg allerdings auch nicht, dass das Thema Zentrenkonzept derzeit noch keine greifbaren Ergebnisse bringen werde, da erst einmal die Ende Mai abgewartet werden müsse. Die damit eventuell einhergehenden Veränderungen der Mehrheitsverhältnisse könnten dann Bewegung in die Angelegenheit bringen.

Teilen
Vorheriger Artikel„Die Menschen kommen gerne nach Ingelheim“
Nächster ArtikelGesamtkonzept statt Zentrenkonzept
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“