Das Bretzenheimer Rathaus ist derzeit in ein Gerüst und in eine Schneedecke gehüllt. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Gehörig Dampf ließ Gilbert Korte, Leiter der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM), jetzt zum Thema Bretzenheimer Rathaussanierung im Ortsbeirat ab. In seinen 20 Jahren als Leiter habe er es noch nie erlebt, dass ein Ortsbeirat der GWM ein Bauvorhaben nicht zutraut, einen eigenen Gutachter einschaltet und dann widerrechtlich in eine gesperrte Baustelle eindringt und Bilder macht. „Es wurden Behauptungen in der Presse in die Welt gesetzt, die so nicht stimmen“, schimpfte Korte. „Wir haben keinen Schritt ohne denkmalpflegerische Genehmigung gemacht.“ Allerdings sei die GWM von einigen Dingen im Rathausinneren überrascht worden, sodass die Rathaussanierung nun deutlich länger dauere als ursprünglich gedacht – statt sechs Wochen nun 14 Monate. So werde das komplette Dach entfernt und erneuert sowie auch das Außenfachwerk saniert. Weil die Statik in Mitleidenschaft gezogen ist, habe der Statiker das Gebäude räumen und sperren lassen (die Lokale berichtete).
Das Sanierungskonzept sei vom Gutachter und der Denkmalpflege abgesegnet worden. Die Kosten betragen 580.000 Euro, von denen 375.000 Euro schon bereitgestellt sind. „Leider geht es nicht schneller, ich bitte um vertrauensvolle Zusammenarbeit“, warb Korte um Verständnis.

Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) hatte sich für die Einrichtung einer provisorischen Ortsverwaltung in der Heinrich-Mumbächer-Schule eingesetzt (wir berichteten). Sie stellte heraus, dass sie keinen externen Gutachter beauftragt habe. „Das Bretzenheimer Rathaus ist für uns lebensnotwendig, es ist der Mittelpunkt unseres Stadtteils“, betonte sie. „Generationen haben sich für den Erhalt eingesetzt.“ Michael Wiegert (SPD) versicherte, dass seine Fraktion den Brief an die Stadtspitze nicht unterschrieben habe. Wiegert regte an, dass auch die Toiletten im Rathaus mit saniert werden.
„Uns hat aufgeregt, dass wir keine Infos bekommen haben“, kritisierte Manfred Lippold (CDU). Auf Nachfragen der Bürger habe er keine Antworten geben können. „Wir standen da wie dumme Buben im Ort.“ Das Brezelfest 2019 müsse nun neu geplant werden. Uwe Marschalek (FDP) verteidigte das Eindringen. „Das Rathaus war nicht erkennbar abgesperrt“, sagte der Liberale. „Und wie sollen wir wie aufgefordert die Fraktionszimmer räumen, wenn wir gar nicht rein dürfen?“ Das sei Haarspalterei, erwiderte Korte. „An Ihrer Stelle wäre ich vorsichtig“, drohte der GWM-Chef Marschalek. Die Stimmung bleibt also angespannt.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.