„Gute Geister“ im Camarahaus – Sebastianusspielschar bringt Komödie auf die Bühne. Foto: Margit Dörr

Nieder-Olm – Am 20. Januar gedenkt die katholische Kirche dem heiligen Sebastianus. Sein Name taucht auf im Zusammenhang mit dem Sebastianus-Theater, das schon eine sehr lange Tradition in der Stadt hat und immer Mitte/Ende Januar stattfindet.
Sebastianus gilt als Schutzpatron gegen die Pest. Die Seuche wütete auch in Nieder-Olm, wo sich 1469 eine Sebastianusbruderschaft gegründet hatte, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich um die Kranken und Toten zu kümmern. Seit dieser Zeit wird Sankt Sebastian auch als Schutzheiliger Nieder-Olms verehrt. Nicht nur mit kirchlichen Feiern, sondern auch Belustigungen wurde seither seiner gedacht.
Das Sebastianus-Theater, das über die Grenzen Nieder-Olms hinaus bekannt ist, erinnert noch an diese Tradition. Die zehn oder elf Vorstellungen im Camarahaus sind immer, so auch dieses Jahr, ausverkauft.
Ist es heute nicht mehr praktische Hilfe, die geleistet wird, so werden aber jedes Jahr mit dem Verkauf der Theaterkarten soziale Projekte unterstützt. Dieses Mal wird die Spielschar 8000 Euro der in.betrieb gGmbh, der Gesellschaft für Teilhabe und Integration, in Mainz und Nieder-Olm spenden. Das Geld ist für die „Entlastungsgruppen“ gedacht, in denen ältere Personen mit Behinderung, die nicht mehr vollumfänglich den Erfordernissen des Arbeitsalltags in der Werkstatt für behinderte Menschen gerecht werden können, Möglichkeiten haben, den Tag strukturiert zu verbringen. Auch der Erlös der Bewirtung kommt jedes Jahr sozialen Zwecken zugute.

Schon seit über 20 Jahren führt Volker Metzger die Regie bei den Theaterstücken. Er wählt auch die Stücke aus, bearbeitet sie und kümmert sich um die Besetzung.
„Gute Geister“ sei eine „romantische Komödie“, ein Genre, mit der die Truppe Neuland betrete, erklärte Metzger den Gästen – Familienangehörigen und mit der Spielschar verbundene Freunde, die die Generalprobe miterleben durften. Die Komödie stammt aus der Feder der englischen Autorin Pam Valentine und wurde von Metzger etwas verändert und im rheinhessischen Nieder-Olm angesiedelt. Drei Frauen und drei Männer spielen zwei Paare, einen Makler und eine Schwiegermutter. Alle Klischees werden bedient, die Paare streiten sich, obwohl ihre Liebe immer wieder spürbar ist, der Makler verhandelt den Mietpreis, die Schwiegermutter nervt – und doch ist alles anders. Es taucht sogar ein Schutzengel auf. Die Schauspielerinnen und Schauspieler füllen ihre Rollen einfach toll aus. Die Pointen sorgen für viele Lacher, aber es gibt auch melancholische und tiefsinnige Szenen und Dialoge, bei denen es im Zuschauerraum richtig still wurde.

Ein Sebastianus-Gedenkgottesdienst findet jedes Jahr statt. Weil aber in diesem Jahr an den 550. Jahrestag der Gründung der Sebastianusbruderschaft gedacht wird und zufälligerweise der Namenstag auf einen Sonntag fällt, wird ein besonderer Gottesdienst am Sonntag, 20. Januar um 10.45 Uhr in der katholischen Kirche gefeiert. Auch Vereine und politische Vertreter sind dazu eingeladen. In einer entsprechenden Predigt werden Vertreter der Gemeinde die Bedeutung des Heiligen für die Menschen heute darstellen. Andrea Keber vom Vorbereitungsteam freut sich, dass sich eigens dafür wieder das Sebastianus-Quartett zusammenfindet. Dieses war vor Jahren aus dem Bläserchor entstanden, hatte sich aber mittlerweile aufgelöst. Zwei ehemalige Mitwirkende reisen sogar extra dafür aus München und Cuxhaven an, um diesen Jubiläumsgottesdienst noch einmal musikalisch mitgestalten zu können.
Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle zu einem Glas Glühwein eingeladen.

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