ZMO-Vorsitzende Jutta Hager begrüßte die Gäste zur Lesung. Foto: Jennifer Mohr

„BRETZENHEIM – Zur ersten Lesung des Jahres begrüßte ZMO-Vorsitzende Jutta Hager ihre Gäste im „Buchstabensalon“, der Bibliothek des Vereins „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ im Einkaufszentrum Hans-Boeckler-Straße. Die poetische Programmankündigung auf zmo-mainz.de „Das ist die Liebe, himmelwärts zu fliegen“ wies dabei schon die Richtung: Die göttliche Liebe und die Liebesphilosophie des Mevlana Dschelaleddin Rumi, besser bekannt als Rumi, standen im Mittelpunkt.
Lutz Schauerhammer, Gründungsmitglied des Wiesbadener Poesievereins „Dichterpflänzchen“, interpretierte mit viel Gefühl im Sinne des Poeten und rezitierte kunstvoll die ausgewählten Gedichte. Martha Schauerhammer ergänzte die biografischen Meilensteine dieses berühmtesten persischen Sufi-Mystikers und Dichters des 13. Jahrhunderts. Zum Klang der Rohrflöte wurden Auszüge der Gedichte vorgetragen.

Der „Ney“-Künstler Ibrahim Ardic, der das Spielen dieser traditionsreichen Rohrflöte beherrscht, hauchte dem Buchstabensalon mit seiner Stimme, die durch die Rohrstücke fast klagend wirkte, orientalisches Leben ein. Lutz Schauerhammer beschrieb die Nähe zur Ney als „musizierende Meditation und darüber hinaus“. „Wo die Liebe hinfällt, gibt es kein Ich“, heißt es etwa in der Übersetzung von Friedrich Rückert, einem Sprachgenie des 18. Jahrhunderts, der seiner Zeit mehr als 40 Fremdsprachen beherrschte und sich vielen Werken angenommen hat. Rückert hat eine Vielzahl aus dem umfangreichen Werk Rumis übersetzt. Schauerhammer: „In ,Tanzende Derwische‘ beispielsweise sieht Rumi die Musik, die ihm Zugang zum Meditieren, aber auch zum Göttlichen, dem Dreh- und Angelpunkt des Universums verschaffen sollte.“ Während die Auszüge aus den Gedichte vorgelesen wurden, schaffte es Ibrahim Ardic, das Publikum auf seiner Ney in eine geheimnisvolle Welt zu entführen, die für Rumi als einzig geeignetes Mittel schien, die schöpferische Liebe deutlich zu machen und auf diese Weise Zugang zu Gott zu finden.
Seine Augen sind geschlossen, während er das uralte orientalische Blasinstrument , das auch als „weinende Flöte“ bezeichnet wird, spielt. „Beim Spielen der Ney gibt es nichts Positives und nichts Negatives zu denken“, erklärt Ibrahim Ardic mit Glanz in den Augen. „Ney ist nichts als Stimme. Wenn ich Ney spiele, spricht sie.“

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Jennifer Mohr
Im Dezember 2017 bin ich mit Mann und Tochter von San Francisco nach MZ-Hechtsheim gezogen. Auf dem Hunsrück bin ich geboren, entscheidende Ereignisse meines Lebens habe ich allerdings in Mainz erlebt. Mein FSJ als Schulhelferin am Schloßgymnasium, meine erste WG in Mombach oder die Ausbildung zur Erzieherin an der Sophie-Scholl-Schule. Seit 2014 schreibe und veröffentliche ich Gedichte und Bücher unter meinem Mädchennamen “Hilgert”, damit er mir nicht abhanden kommt. Zur Lokalen bin ich durch einen glücklichen Zufall gekommen, denn: Poesie ist überall.