Der Närrische Überwachungsverein steht für Fastnacht der etwas anderen Art. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Sie haben zwar einen Elferrat, und die Redner und Rednerinnen bringen ihre Beiträge in der Bütt dar. Doch sonst unterscheidet sich der Närrische Überwachungsverein (NÜV) doch schon ziemlich von den traditionellen Korporationen der Landeshauptstadt.
Am 1. Februar beispielsweise ziehen NÜV-Aktive, beginnend um 19 Uhr in der Weinstube „Rote Kopf“, durch die Gaststätten und Kneipen der Altstadt. Wer will, kommt einfach vorbei und läuft mit bei dieser bestimmt außergewöhnlichen Tour. Dabei testen die NÜVler in der Altstadt verschiedene Locations unter anderem auf fastnachtliches Ambiente und Stimmung. „Und je nachdem, wie gut diese Faktoren ausfallen und stimmen, bekommt die Gaststätte unsere NÜV-Plakette“, erläutert NÜV-Vorsitzende Dorothea Emmert, im Hauptberuf Lehrerin und seit 1997 in Mainz ansässig.
Die Veranstaltungsart Sitzung gibt es beim NÜV ebenfalls: Am 22. Februar steigt die Poltersitzung unter dem Motto „Fassenacht roh & pur“, am 23. Februar dann die Prunksitzung mit anschließender „Rucki-Zucki-Zappeldisco“. Und an Fastnachtsamstag (2. März) lassen es die NÜVler in der Neustadt-Kultkneipe „Zum Hafeneck“ ab 19 Uhr krachen.

Seine Sitzungen fährt der NÜV am 22. und 23. Februar. Foto: Ralph Keim

Dort sind die legendären RAF-Sitzungen (wobei RAF für Rote Armee Fastnacht stand) auch nach fast 20 Jahren noch in bester Erinnerung. Ein Kreis begeisterter Neustadt-Fastnachter, die aber mit dem ebenfalls von der Handkäs-Mafia durchdrungenen Fastnachts-Establishment der Landeshauptstadt nichts zu tun haben wollten, zelebrierte die Fastnacht auf ihre Weise: Zum Teil deftige Kritik an Politik und Gesellschaft mischte sich mit ausgelassener Partystimmung. Daraus entstand 2014 der NÜV.
Bestens bekannte Redner und Sänger, die in jeder Kampagne von Verein zu Verein tingeln, sucht man beim NÜV vergeblich. Dorothea Emmert selbst steigt in diesem Jahr zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in die Bütt. Anonsten wird Sitzungspräsident Endi Neumann unter anderem „Klaus Doller“, „Tante Trudi“, den „Original Neustadt-Fred“, den Chor „Rote Neustadt“, „Johanna von Kastel“ und das NÜV-Dauerprinzenpaar „Candy & Bärt“ ansagen.

Versprochen werden „Anarchie und totaler Kontrollverlust“, aber auch „fundierte Herrschaftskritik“ und viel Kokolores. Schon bei der Kampagneneröffnung am 11. 11. im „Rote Kopf“ machten die NÜVler deutlich, dass ihre Art der Fastnacht nix für Sponheimer-Fans ist. Das macht schon das Motto deutlich: „Auf den Lippen ein fröhliches Lied, in den Lungen Stickoxid. Schöner schunkeln mit Krawall: Granatenstimmung beim NÜV GasMaskenball.“
Zu beiden Sitzungen, die auf dem unterhalb der Theodor-Heuss-Brücke ankernden Veranstaltungsschiff „Cassian Carl“ über die Bühne gehen, gibt es noch Restkarten: nuev-mainz.de.

Vorheriger ArtikelFür Herren groß, für Damen klein
Nächster ArtikelAufmerksame Nachbarin vertreibt Einbrecher
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“