Ortsbürgermeisterin Grub hat den Schlüssel zu ihrem Rathaus an die CVE-Narren abgegeben. Foto: Ralph Keim

NACKENHEIM – Im Sturm nahmen die Narren das Rathaus auch in diesem Jahr ein. Nach einem kurzen Schlagabtausch ergab sich Ortsbürgermeisterin Margit Grub der karnevalistischen Übermacht.
Früher war die Angelegenheit einfach: Wenn die Obrigkeit dem Volk nicht mehr genehm war, wurde sie zum Teufel gejagt. Manchmal griff man auch zu krasseren Methoden und teerte und federte die Herrschaften – oder machte sie gleich einen Kopf kürzer. Heute geht das freilich nicht mehr. Geblieben ist – und das auch nur den Narren – der jährliche Sturm auf die Rathäuser und die Gefangennahme derjenigen, über die sie wegen der ständigen Erhöhungen von Gebühren und Grundsteuern vielleicht immer geflucht haben.
Auch in Nackenheim liefen die Narren Sturm. Und so musste sich Ortsbürgermeisterin Margit Grub am Sonntagnachmittag den ausgelassenen Revoluzzern unter Federführung des Carneval-Vereins Entenbrüder (CVE) beugen.

Bei schönstem Winterwetter hatten sich die CVE-Aktiven, unterstützt von zahlreichen Bürgern, vor dem Rathaus versammelt, wo sich die Ortsbürgermeisterin verschanzt hatte. Die Rathauschefin ließ sich nach langem Bitten zunächst am Fenster zeigen und lieferte sich mit den Narren das übliche verbale Scharmützel. Und schließlich wagte sie sich vor die Tür, einen Riesenschlüssel in der Hand.

Da hatte Ortsbürgermeisterin Grub noch gut lachen. Foto: Ralph Keim

Den übergab sie an die CVE-Narren, die nun in Nackenheim das Sagen haben – zumindest symbolisch und das auch nur bis zum Aschermittwoch. Schließlich hatten die närrischen Revoluzzer ihr angedroht, sie ins Exil nach Nierstein oder Bodenheim zu schicken. Dann doch lieber aufgeben! Und das hat sich sogar gelohnt: Von närrischer Geistlichkeit wurde Margit Grub zur Fastnachtspriesterin geweiht und genießt in der Fastnachtszeit so manche Privilegien.
Und wie beruhigt man das aufgebrachte Narrenvolk am besten? Indem man es zu Weck, Worscht und Woi einlädt. In Nackenheim war letzterer bei einem Grad über Null glücklicherweise schön heiß.

Teilen
Vorheriger ArtikelPolitiker bitte häufiger wechseln
Nächster ArtikelFrau stürzt in Linienbus
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“