Der Aktionskünstler Stefan Brand in der Kanonikus-Kir-Realschule. Foto: red

GONSENHEIM – Als studierten Rechtswissenschaftler schätzt man den Aktionskünstler Stefan Brand mit seinem gezwirbelten Salvador-Dali-Bart nun wirklich nicht ein. Trotz geradliniger Ausbildung stand für Brand immer das Leben im Sinne der Kunst an erster Stelle, sodass er aus seinen Ideen nicht nur seinen Lebensunterhalt, sondern vor allem seine persönliche Zufriedenheit beziehen kann. Unter seinem Künstlernamen „Der Brandstifter“ will er dem Betrachter „etwas von seiner Kunst stiften und ihn zur Teilhabe an der Kunst anstecken“.
Wie das funktionieren kann, erklärt er den rund 70 Schülern der Klassen 7c, 8b und 9a der Kanonikus-Kir-Realschule in einem kleinen Workshop. Ein Teil seines Schaffens bildet die „Asphaltbibliotheque“, bei der der Freigeist mit offenen Augen immer wieder neue Städte durch eine Begehung mit dem Blick auf den Boden kennen lernt. Dabei sammelt er, was andere wegschmeißen, verlieren oder bewusst verbreiten in Form von Zetteln aller Art, ob informativ, lustig, skurril, rätselhaft oder irritierend, und archiviert sie seit 1998.
Diese haben mit Müll dann nichts mehr zu tun, sondern geben ihm einen Impuls zur Kunst. „Dass man ohne viel Geld oder Technik kreativ sein kann, Spaß hat, indem man aus dem Alltag heraus, seine Möglichkeiten nutzt, etwas neues zu entdecken und dabei eine ganz andere Perspektive auf so etwas Banales wie einen Zettel einnimmt“ möchte er besonders den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen.

Aus seinem Fundus präsentiert der Künstler den Jugendlichen nicht nur Einkaufszettel, Rezepte und Geburtstagseinladungen, sondern zum Beispiel ein ironisch freundlicher Hinweis eines Mainzer Anwohners für einen „Falschparker“ oder auch eine „Liebeserklärung“ von Elise an Gott oder umgekehrt? Ob ein Zettel als „Diebstahlsicherung“ für ein Mofa in der Realität wirklich hilft, ist ungewiss. Doch Anlass zum Schmunzeln gibt er schon, genau wie eine Notiz an alle „Danebenpinkler“ eines verärgerten Hausmeisters.

Mit allen Zetteln kann man „ins Gespräch“ kommen. Wer hat ihn geschrieben? In welcher Situation? Für wen? Wieso? Warum ist er zerknüllt, angerissen oder befleckt? All dies bietet Anlass zum Weiterdenken und Gestalten. Welche Gedanken hat der Betrachter dabei? Was verbindet er mit dem Thema?

Brand, der seine Kunst nicht nur in Museen oder Galerien ausstellen möchte, hat auch schon 2012 seine „Asphaltbibliotheque zu Mainz“ an einer Installation am Hautbahnhof der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Er geht gerne zurück in den Raum, in dem er seine Zettel gefunden hat und bringt sie dahin wieder zurück, damit möglichst viele daran teilhaben können. Damit sein Archiv weiter anwächst und auch wir als Schule an dem Projekt einbezogen werden, installiert der Konzeptionskünstler einen Einwurfkasten für gefundene Zettel im Schulhaus. Und vielleicht landet der ein oder andere in Brands neuer Ausgabe der „Asphaltbibliotheque“.

Die drei gasthörenden Schulklassen gingen nicht nur im Anschluss an den Vortrag zum Zettelsammeln über, sondern ließen zum Teil schon ihrer Kreativität in der Interpretation und künstlerischen Weiterverarbeitung freien Lauf. Man darf auf die Ergebnisse, die von den Schülerinnen und Schülern in naher Zukunft ausgestellt werden, sehr gespannt sein.

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