Ortsvorsteherin Claudia Siebner wurde in Handschellen abgeführt, derweil Anna Kusche triumphierend den großen Rathausschlüssel präsentierte. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Das Bretzenheimer Rathaus ist zwar marode und einsturzgefährdet, aber trotzdem auch weiter ein begehrtes Zentrum der Macht. Das machte jetzt der närrische Sturm aufs Rathaus deutlich, bei dem sich Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) trotz der Unterstützung ihres Ortsbeirates und durch OB Michael Ebling (SPD) nicht lange halten konnte. Nach kurzer Gegenwehr musste sie sich der närrischen Übermacht beugen und den Rathausschlüssel an die Fastnachter abgeben, vertreten durch das Comitee Katholischer Vereine (CKV), die Jakobiner und die Bretzenheimer Schnattergänsjer.

„Was sollen wir denn hier erstürmen, denn das Rathaus ist kaputt“, fragte Anna Kusche, Sitzungspräsidentin der Schnattergänsjer, zu Beginn. „Die Ortsverwaltung musste türmen, bevor sie liegt in Asch und Schutt.“ Dann rief sie das närrische Volk zur Revolte auf: „Bis Aschermittwoch haben wir die Macht!“ Der Ortsbeirat sah das anders. „Zieht einfach weiter und lasst uns in Ruh‘/ des Häuschens Tür, die bleibt heut‘ zu“, antwortete Dr. Peter Schenk (ÖDP). „Und für diese kleine Hütt‘/ lohnt sich die Erstürmung nit!“, ergänzte Uwe Marschalek (FDP). „Mach auch mal für Bretzenum de Stadtseckel uff“, forderte CKV-Präsident Rüdiger Koch OB Ebling auf. Der zog sich elegant aus der Affäre: „Gern‘ hätt ich meinen Dienstsitz als Ersatz angebote‘/ doch wie ihr wisst, der ist auch marode!“ Ein Uiuiuiuiui der Narren war die Antwort. „Jetzt treiben wir dich durch unseren Ort/ damit jeder sieht, deine Macht ist fort“, drohte Jakobiner-Präsident Markus Kieber der Ortsvorsteherin. „Ihr seht mich hier mit trauriger Miene/ denn unser Rathaus ist eine Ruine“, bekannte Claudia Siebner, machte aber auf die neue provisorische Ortsverwaltung in der Heinrich-Mumbächer-Schule aufmerksam. Dann wurde sie in Fesseln gelegt und Anna Kusche nahm ihr den Rathausschlüssel ab.
Unter den Klängen der Musikzüge der Jakobiner („Adelheid“) und der Haubinger („Schön ist es auf der Welt zu sein“) ging es zur TSG-Halle, wo das Hissen der vierfarbbunten Fahnen des CKV, der Jakobiner und der Schnattergänsjer folgte. „Bumm terrä tättä“, schmetterte Trommler Wolfgang Siebner, dem der Narrenschwur der Delinquenten folgte.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.