Das Theaterworkshop hat den Ober-Olmer Grundschülern einfach Spaß gemacht. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Ober-Olm – „Wollt ihr eine Party feiern?“, fragt Verena Gerlach mit begeisterter Stimme. „Ja“, antworten die Kinder laut. Alle stehen rund um eine auf dem Boden markierte provisorische Bühne. Die Theaterpädagogin ruft dann: „Dann lasst uns alle….“ Sie unterbricht den Satz und zeigt auf ein Mädchen. Dieses tritt in die Mitte und tut so, als würde es im Sack hüpfen. Fröhliches Gehüpfe setzt ein. Alle machen es ihr nach. Dann ruft Gerlach erneut: „Wollt ihr eine Party feiern?“ Und das pantomimische Spiel wiederholt sich. Alle machen mit und haben Spaß. Witzig wird es, als ein Junge vorschlägt: „Dann lasst uns alle… von einem Dreimeterbrett in den Kuchen springen“.

Es ist der dritte Tag des Theaterworkshops an der Grundschule in Ober-Olm. Vor sechs Jahren begann die Schule, sich als Einrichtung mit einem musisch-ästhetischen Schwerpunkt zu profilieren. Vielfältige Begegnungen mit Musik, Kunst und Theater folgten. „Die Kinder erfahren es rezeptiv, aber auch eigenaktiv“, erzählt die Schulleiterin, Anne Herzberg. Sie begründete das Profil einst. Es sei von Anfang an vom Lehrerkollegium konsequent mitgetragen worden, sagt sie. In den Fluren und Klassen hängen Kunstwerke aus Kinderhand, die die Fortentwicklung markieren. In diesem Schulhalbjahr arbeitet nicht nur der Tanzpädagoge Marco Jodes einmal in der Woche mit den Drittklässlern. Auch der örtliche Musikverein formt im Rahmen einer Bläser-AG ein Orchester. Verena Gerlach hat wiederum dank des Landesprogramms der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, „Jedem Kind seine Kunst“, den Weg nach Ober-Olm gefunden.
Bisher haben sie und die Kids „experimentiert“, beschreibt sie die zwei zurückliegenden Workshop-Tage: Mit dem minimalistischen Bühnenbild und auf vielfältige Weise mit dem Stoff aus einem Buch von Michael Ende, das die Künstlerin zur Grundlage gemacht hat. „Wir haben die Lieblingsmomente daraus gesammelt, sie nachgespielt.“ Was gar nicht so leicht gewesen sein musste. Wie geht ein Raubtier? Klar, auf vier Pfoten. Doch wie sollen die Kinder ohne Kostümierung allein mit dem Körper und der Stimme den Unterschied zwischen Tiger, Jaguar und Panther darstellen? Und wie spielt man ein Kaninchen im Unterschied zum Hasen? Doch es gelang. „Den Elefanten haben wir aus zwei Kindern ,gebaut’. Den See formen zwei auf dem Boden liegende Mädchen. Mit einem Sammelsurium an Übungen, die nicht anders an professionellen Bühnen zum Einsatz kommen, löste Gerlach gemeinsam mit den Kindern die Darstellungsaufgaben. Sie sprechen den Gang, die Stimmen, das Körpergefühl an. Schritt für Schritt führt Gerlach die Kinder damit in eine Welt des Theaters, das ganz ohne Requisiten auskommt. Bei dem „alle alles spielen“, wie sie es kurz beschreibt.
Mutig und ohne Scheu vor der Gruppe spielen die Jungen und Mädchen einzeln pantomimisch die Ideen für die Party. Mit jeder Übung gewinnen nicht nur sie an Selbstbewusstsein. Auch die Schule dürfte ihr Profil geschärft haben.

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