OB Ralf Claus. Foto: Stadt Ingelheim

INGELHEIM – Der Oberbürgermeister der Stadt Ingelheim, Ralf Claus (SPD), im Gespräch mit der Lokalen Zeitung über das ereignisreiche Jahr 2018 und die Erwartungen für das neue Jahr – und seine erneute Kandidatur.

Herr Oberbürgermeister, das Wohnen wird auch in Ingelheim teurer. Wie kann die Stadt entgegensteuern?

RALF CLAUS: Ingelheim ist sehr attraktiv und hat ein extrem hohes Arbeitsplatzangebot, entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Wohnraum. Eine Wohnraumbedarfsanalyse, deren Ergebnisse seit einigen Wochen vorliegen, zeigt uns, dass wir einen Nachholbedarf und auch in den kommenden Jahren einen weiteren hohen Bedarf an neuem zusätzlichen Wohnraum haben.

Welche Rolle spielt die WBI?

RALF CLAUS: Mit der Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim sind wir mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf einem guten Weg und werden diesen konsequent fortsetzen. Aktuell sind hier über 100 Wohnungen im Bau und in der Planungsphase, auch von privaten Bauherren, beispielsweise im Bereich „Nördlich der Wilhelm- von-Erlanger-Straße“ mit rund 100 Wohneinheiten, „Im Herstel“ mit circa 30 Wohneinheiten, „Im Blumengarten“ mit circa 15 Wohneinheiten und in der „Birkenstraße“ mit rund 35 Wohneinheiten im Einzelhaussegment in der konkreten Realisierungsphase.

Was hat es mit dem Ingelheim-Pass und der Ingelheimer-Card auf sich?

RALF CLAUS: Der Ingelheim-Pass ist der neue und überarbeite frühere Sozialausweis der Stadt. Damit soll gegenüber früher ein erweiterter Personenkreis von Menschen mit niedrigen Einkommen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in unserer Stadt ermöglicht werden. Die Ingelheim-Card soll demgegenüber allen Bürgern zur Verfügung stehen. Die Karte soll neben der Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs möglichst viele Vergünstigungen bei öffentlichen Einrichtungen, im Einzelhandel ermöglichen. Viele Detailfragen sind  noch in der Bearbeitung und in Diskussion.

Was können Sie zu Schwerpunkten des Haushalts 2019 sagen?

RALF CLAUS: Das Jahr 2019 steht im Zeichen der Eingemeindung von Heidesheim und Wackernheim, auch wenn sich dies im Haushalt noch nicht erkennbar niederschlägt. Noch gibt es nämlich 2019 für das gesamte Haushaltjahr getrennte Haushalte für Ingelheim, Heidesheim und Wackernheim. Darüber hinaus stehen 2019 wieder Planungsphasen und Realisierungen einer Reihe größerer Investitionsvorhaben, wie die neue Zentrale Feuerwache, die Museumserweiterung oder die Sanierung der Präsident-Mohr-Schule an.

Und die weiteren Schwepunkte?

RALF CLAUS: Ein weiterer Schwerpunkt werden die Bürgerbeteiligungsprozesse sein, die zur Vorbereitung der künftigen Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes der „neuen“ Stadt Ingelheim in mehreren Stadtteilen durchgeführt werden sollen.

Stichwort OB-Wahl: Stellen Sie sich zur Wiederwahl?

RALF CLAUS: Meine Amtszeit als Oberbürgermeister geht noch bis Mitte Januar 2020. Gerne stelle ich mich zur Wiederwahl. Ingelheim hat sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Vieles gibt es aus meiner Sicht aber auch noch zu erledigen. Und nicht zuletzt wird der Prozess des Zusammenwachsens mit Heidesheim und Wackernheim aber auch die Gestaltung und Entwicklung der vielen Potentiale, die die beiden neuen Stadtteile mitbringen, eine spannende Aufgabe werden, der ich mich gerne mit ganzer Kraft widmen möchte.

Ein anderes Thema: Wie geht Ingelheim mit dem gravierenden Niedrigwasserpegel um?

RALF CLAUS: Das Niedrigwasser bereitet Ingelheim eher wenig Probleme. Der Fährbetreiber Michael Maul hat eine Flachwasserfähre angemietet, sodass auch die Verbindung zur anderen Rheinseite aufrechterhalten werden konnte. Das Niedrigwasser als ein Ergebnis des extrem trockenen Sommers zeigt sehr deutlich die Konsequenzen von Extremwetter und unsere Verletzlichkeit und auch Hilflosigkeit gegenüber den Folgen auf. Und es mahnt, in den Klimaschutzbemühungen nicht nachzulassen.

Stichwort neuer Autobahnanschluss: Wie sieht es damit aus?

RALF CLAUS: Wir müssen hartnäckig bleiben. Seit Jahrzehnten kämpfen wir schon für einen Autobahnanschluss Mitte. Es ist ein Erfolg, dass der sechsstreifige Ausbau der A 60 in den Bundesverkehrswegeplan 2030 mit der Kategorie „vordringlicher Bedarf“ aufgenommen wurde. Der Ausbau der A 60 ist eine der Voraussetzung für eine Realisierung eines neuen Autobahnanschlusses – damit ist also ein wichtiger Teilschritt erfolgt.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.