Lichtinstallation während des Konzertes von Carsten Lambert und Luise Florin. Foto: kga

BRETZENHEIM – Sie ist unter ihresgleichen eher klein, jedoch kräftig in der Statur, mit wohlgeformten Rundungen – die Cavaille-Coll-Orgel in der katholischen Kirche St. Bernhard ist ein Schmuckstück aus massiver Eiche. Woran es mangelt? „Die alte Dame ist außer Atem“, erklärte Pfarrer Markus Kölzer bei seiner Begrüßung zum Konzert zugunsten eben jener Dame. „Eine Sanierung steht an.“ Weil die mit geschätzten 70.000 Euro aber kaum allein gestemmt werden kann, ist die Gemeinde auf Spenderhilfe angewiesen.
Mit „Integralis“ war der gut besuchte Abend überschrieben. Die Idee dazu hatten Organist Andreas Hoffmann und Barbara Ludewig (Flöte). Mit dabei Carsten Lambert und Luise Florin, die für die Lichtinstallation zuständig waren.

Zusammen mit der Musik, die sich wohlig im Raum ausbreitete, ergaben die in den riesigen Altarraum geworfenen Bilder in der sonst nur mit etwas Kerzenlicht beleuchteten Kirche ein harmonisches Ganzes, das der Zuhörer fast wie in einer Meditation mit nahezu allen seinen Sinnen wahrnehmen konnte. Was aber eben auch zu hören war, waren die mitunter leicht schnarrenden oder dumpfen Töne aus den Pfeifen der Orgel. Und genau das ist das Problem, das durch die Sanierung behoben werden soll.
1876/77 gebaut und mit einem hölzernen Gehäuse aus dem Material einer damals schon 200 Jahre alten Orgel ausgestattet, hat das zweimanualige Instrument tatsächlich schon einige Jahre auf dem Buckel. Ihre Geschichte liest sich spannend. Eigentlich dürfte das Instrument gar nicht in Deutschland stehen und tatsächlich soll die Bretzenheimer Cavaille-Coll-Orgel die einzige sein.

Denn der Orgelbauer soll in Zeiten der deutsch-französischen Feindschaften entschieden, nie solle eines seiner Instrumente in Deutschland gespielt werden.
Nun, es kam anders. Denn nachdem sie einen Großteil ihrer Zeit in Surrenes bei Paris verbracht und einige Reparaturen mitgemacht hatte, war die Orgel am Ende kaum noch zu spielen und die Kosten für eine -Restauration zu hoch. Ein glücklicher Umstand für die bis dahin orgellose Kirche St. Bernhard. 1999 wurde das Instrument nach Bretzenheim gebracht.

Frisch restauriert trat sie ihren Dienst an, doch jetzt ist es wieder Zeit: Damit sie auch künftig ihre Töne kraftvoll durch die Kirche schallen lassen kann, ist die Gemeinde nun auf finanzielle Unterstützung für die Sanierung angewiesen. Mit dem Verkauf einer CD mit Aufnahmen Hoffmanns und Ludewigs an Cavaille-Coll-Orgel und Flöte unterstützen auch die Musiker das Projekt.

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