Die Nachwaechterfuehrung durch Hechtsheim bot interessante Einblicke. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

HECHTSHEIM – Gut aufgearbeitete lokale Geschichte wirkt anziehend. Den Beweis für die These haben zuletzt die Bürger in Hechtsheim erbracht. Rund 80 Einwohner folgten der Einladung von Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) und hefteten sich an die Fersen des „Nachtwächters von Hexem“, Reinhard Schwarz.

Der Abendspaziergang durch den alten Ortskern führte an durchaus bekannte Plätze, die im Lichte der Erzählungen, unbekannte Dimensionen offenbarten. So als hätte der Nachtwächter seine Gefolgschaft tatsächlich in die Zeit um 1760 transferiert haben.

Gleichwohl wäre keine typische Mainzer Führung, wenn ihr nicht eine Prise Humor beigemischt worden wäre. „Heute Abend begleitet ihn der ,Leiter der Bischöflichen Kanzlei’“, kündigte Ahnen an und stellte als einen solchen Ottmar Schwinn, den Vorsitzenden des Vereins Hechtsheimer Ortsgeschichte, vor.

In stilisierten Gewändern und mit Licht samt Hellebarde ausgestattet, versinnbildlichten Schwinn und Schwarz hervorragend zwei Ämter, die es in Mainz und dem rheinhessischen Dorf in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tatsächlich gegeben hatte.

Der gute Mix aus Historie und Gegenwart mit Kurzvorträge an den Originalplätzen war so komponiert, dass die Phantasie stimuliert, und die Zeitreise kurzweilig gestaltet werden konnte. Vom Lindenplatz vor der Ortsverwaltung führte die Nachtwanderung die Zuhörer an den früheren Schul- und Rathäusern, dann am oberen Born vorbei zu den früheren Dorfeingängen der Morsch- und Grawelspforte. Schließlich über den Froschmarkt zum ältesten und heute sanierten Haus an der Grauelstraße, um den Spaziergang auf dem Lindenplatz zu beenden. Als ein guter Einfall sollte sich die Projektion von Grafiken und Fotos an die Häuserwände bei jeder Station erweisen. Ein kleiner mobiler Projektor machte es möglich.

Die lockere Art und nicht zuletzt die deutlich hörbare Stimme – wie es sich für einen Nachtwächter gehört – erleichterte die Konzentration auf die Inhalte. Dass es in Hechtsheim, welches in seiner langen Geschichte auch Hehhidesheim, Heckesheim oder Hexheym hieß, seit 1758 tatsächlich einen Nachtwächter gegeben habe, entdeckten die Lokalforscher in einer Verfügung in der Martinus-Bibliothek.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.