Die Band „Nid de Poule“ serviert „Gypsy`N`Roll“ im ZMO in Bretzenheim. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

BRETZENHEIM – Musikalische Spannung aufzubauen, das kann die Band „Nid de Poule“ gut. Die Querflötistin durchschreitet den Zuschauerraum und peilt die Bühne an. Die Musik setzt ein und das Publikum lauscht den Tönen.
Nach und nach gesellen sich weitere Instrumentalisten dazu: Frank Zinkant greift zur Westerngitarre, ihm folgt der Kontrabassist, Jürgen Dorn und der Jazz-Gitarrist, Gerd Rèntschler. Begleitet vom Applaus erklimmt schließlich die Sängerin, Sybille Klingspor, die Bühne. Fertig ist die Band ,,Nick de Poule“ für den Auftritt.
Bereits das zweite Lied befreite die Geister der guten Stimmung in den Räumen des Vereins „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) in Bretzenheim. Nach einem halben Dutzend weiterer Songs wird die Organisatorin und Vereinsvorsitzende, Jutta Hager, sagen: „So eine Band haben wir auch noch nicht gehabt“. Zu diesem Zeitpunkt hat die Sängerin dem erstaunten Publikum rumänischen Schnaps in kleinen Gläschen serviert. Passend zu einem Lied über die rumänische Kerb. Den Originaltext lesen die Zuhörer von Handzetteln aus: „Ruga, Ruga la Kisadau Uiz dot tschafosrau“. Übersetzt bedeutet: „Dort, wo wir alle Sorgen vergessen und wo wir uns alle treffen werden“. In den Refrain stimmen alle ein.

„Nid de Poule“ ist eine außergewöhnliche Formation. Sie spielt überwiegend eigene Stücke, sagt Dorn. Die Inspiration speist sich aus der Begeisterung um die Atmosphäre der Jazzclubs des linken Seineufers im Paris der dreißiger Jahre. So dass bei Auftritt auch Chansons, Popsongs sowie Jazzstandards nicht fehlen. „Nid de Poule“ modelliert daraus eine Musikrichtung, die sie „Gypsy’N’Roll“ nennen.
Die Stücke reißen mit, quellen aber von Melancholie über. „Ma vie“ soll bei Exerzitien entstanden sein, sagt der Bassist. Sollte der Zuhörer ihm Glauben schenken, dann waren es ganz fröhliche Einkehrtage.

Und was bedeutet der Namen? „La pompe manouche“ bezeichne die rhythmische Swing Begleitung in der Gypsy Musik, heißt es. „Hierbei wird kräftig in die Saiten geschlagen, was entsprechende Spuren an dem Schlagloch der Gypsy-Gitarren hinterlässt.“ Die französische Bezeichnung hierfür sei eben: „Nid de Poule“.
Als die Flötistin zum Akkordeon greift, und von Dorn namentlich vorgestellt wird, fällt es dem Laien wie Schuppen von den Augen. Klar: Almut Schwab spielt doch bei „Klezmers Techtern“. Bei „Nid der Poule“ tritt sie regelmäßig als Gastmusikerin auf. Der jiddisch angehauchte Song, „Bei mir bist du shejn“ sei speziell wegen Schwab ins Programm aufgenommen worden. Die Melancholie und die Fröhlichkeit strömen abwechselnd von der Bühne, die musikalische Spannung elektrisiert bis zum Schlussakkord.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.