Pfarrer Reinhold Ricker und Konzelebranten begehen feierlich den Abschiedsgottesdienst. Foto: Helene Braun

Nackenheim – Am Ende des Gottesdienstes erzählt er doch noch einen Witz, und eine launige Bemerkung entschlüpft ihm, als er sich vor der Predigt den Schweiß von der Stirn wischt, ansonsten verhält sich Pfarrer Reinhold Ricker in dieser Messe so wie es sich für ein würdiges Abschiednehmen geziemt: durchaus ernst, manchmal traurig, doch immer gefasst. Nur als die Kinder von Kindergarten und Schule ihr einstudiertes Programm aufführen, scheinen Freude und Rührung in seiner Miene miteinander zu wetteifern.
An diesem Morgen wird es ernst, die Verabschiedung in den Ruhestand durch Bischof Peter Kohlgraf, ausgeführt durch den Bischöflichen Beauftragten für die Priester im Bistum, Geistlicher Rat Michael Ritzert, steht an. Der Nackenheimer MGV macht seine Aufwartung und gestaltet den feierlichen zweistündigen Gottesdienst mit dem Organisten Hans-Peter Spanheimer, dem Kirchenchor St. Gereon, dem Jungen Chor, der Schola und den Kindern.

24 Jahre im Dienst der katholischen Gemeinde gehen nun vorbei, die Kirche ist voll bis auf den letzten Platz, „das alte Team“, das Pfarrer Ricker nicht lange zuvor selbst in den Ruhestand verabschiedet hat, ist noch einmal gekommen, seine Stütze Wally Roth und das Küsterehepaar Gabi und Heinz Leichner.
Noch einmal erklärt Pfarrer Ricker den Nackenheimern, worauf es ihm angekommen sei und worauf weniger. „Früher wurde bei solchen Anlässen immer aufgezählt, was der Pfarrer alles gebaut hat. Pilgerfahrten, Liturgie und Predigt, all das ist wichtig, aber das eigentliche Bauen geschieht in den Seelen. Veränderungen in der Kirche und der Gemeinde haben mich immer mehr zu dem gemacht, was ich sein wollte, Seelsorger.“ Gestalten wollte er, nicht nur verwalten. „Es gab Neues, es war immer sehr lebendig, es gab auch Konflikte, einiges lief schief und nicht alles hatte ich in der Hand“, bekannte Pfarrer Ricker ehrlich und kam sehr bescheiden vor Gott und den Menschen zum Schluss: „Ich bin dankbar für die geglückte Halbheit.“

Partys, Feste und Kaffeetafeln seien nicht so sein Ding gewesen, aber er finde gut, dass in Nackenheim so viele Traditionen hochgehalten würden, mahnt jedoch: „Aber Tradition ohne Inhalt ist Folklore.“ Auf den „großen schlafenden Riesen Kirche“ bezogen, sagt Ricker: „Neue Bilder in den Köpfen täten uns gut.“ Den aktuellen Priestermangel sieht er als Zeichen des Neubeginns. Für die Zukunft gab er der Gemeinde mit: „Bleiben Sie im Austausch miteinander, reden Sie miteinander, nicht übereinander und stützen Sie sich gegenseitig im Glauben.“

Teilen
Vorheriger ArtikelMit der Dampflok nach Verona
Nächster ArtikelWeihnachtsplätzchen-Verkauf im Pankratius-Hof
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.