Moderatorin Brigitte Zander (Mitte) begrüßte als Vorleser Ulli Göbel und Ulla Eisele. Foto: Oliver Gehrig

HECHTSHEIM – Zwei interessante Romane standen jetzt bei der Herbst-Veranstaltung von „Hechtsheim liest“ vor 15 Zuhörern im evangelischen Gemeindezentrum im Blickpunkt. Moderatorin Brigitte Zander begrüßte als Vorleser Ulli Göbel und Ulla Eisele, die die beiden Romane „Jacob beschließt zu lieben“ und „Timbuktu“ vorstellten sowie Auszüge vorlasen.
Ulla Eisele entdeckte in einem Bücherschrank das Werk „Timbuktu“ von Paul Auster. Es ist die Geschichte eines Hundes, der einen Obdachlosen begleitet, der schließlich stirbt. „Ich habe das Buch durch Zufall gefunden“, berichtete Ulla Eisele. Die Geschichte habe sie an den Obdachlosen Jörg, der immer vor dem Kronberger Hof saß und dort mit seinem Hund Emma die Passanten freundlich grüßte, erinnert. Dieser verstarb dieses Jahr und bekam danach eine Gedenkstätte mit Blumen und Kerzen vom benachbarten Reweteam eingerichtet. „Es hat mich angerührt, denn das ist genau die gleiche Geschichte“, erläuterte die Vorleserin. „Ich habe es aus aktuellem Anlass ausgewählt, denn das Werk ist zugleich witzig und anrührend.“ Die gelernte Diplompsychologin Ulla Eisele lebt seit 1972 in Mainz und seit 1996 in Hechtsheim.

Den Roman „Jacob beschließt zu lieben“ von Catalin Dorian Florescu fand Vorleser Ulli Göbel auf dem Nachttisch seiner Frau. „Ich war von der ersten Seite an angetan vom Bilderreichtum der Sprache und von der Wucht des Schreibens“, bekannte er. Es ist die Geschichte der Banater Schwaben in Rumänien, erzählt ab der Zeit des 30-jährigen Krieges bis in die 50er-Jahre, also über einen Zeitraum von rund drei Jahrhunderten. Es geht um die Familiengeschichte von einem desertierenden Söldner im 30-jährigen Krieg bis zu den Irrungen und Wirrungen der Nazizeit. Göbel: „Es ist eine Sippengeschichte mit tollen Beschreibungen, die fesseln kann.“ Ulli Göbel ist pensionierter Polizeibeamter und lebt seit 1986 in Hechtsheim in der Ludwig-Strecker-Straße.

Im Anschluss an die einstündige Lesung lud Brigitte Zander alle Teilnehmer zu einem Glas Wein und einem lebendigen Gesprächsaustausch ins Foyer ein. Beide Vorleser erhielten je eine Rose. „Ich möchte zum Lesen motivieren“, erläuterte die Moderatorin, die im Kirchenvorstand tätig ist und die Reihe vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hatte. „Die Zuhörer sollen neue Bücher kennenlernen und zudem sollen sich die Hechtsheimer kennenlernen.“ Die nächste Veranstaltung von „Hechtsheim liest“ findet im April 2019 statt.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.