Im Gutenberg-Museum trifft Johannes Gutenberg zurzeit auf seine Kollegen aus Fernost. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Wer hat den Buchdruck erfunden? Selbstverständlich Johannes Gutenberg, vor mehr als 550 Jahren in Mainz. Sollte man meinen. Erst recht, wenn man in Mainz lebt, wo Gutenberg allgegenwärtig ist. Aber auch in anderen Teilen dieses Planeten wurden früher Bücher und ähnliches gedruckt, beispielsweise in Asien, und das zum Teil viele Jahrhunderte vor Gutenberg. Historisch überliefert ist, dass in Fernost bereits zu Beginn des 11. Jahrhunderts Druckstempel genutzt wurden.
Dieser historischen Tatsache trägt nun das Gutenberg-Museum Rechnung. Als Höhepunkt im Gutenbergjahr 2018 präsentiert die Einrichtung die eigens zum 550. Todesjahr von Johannes Gutenberg konzipierte Sonderausstellung „Ohne Zweifel Gutenberg? Die Erfindung des Buchdrucks in Europa und Asien“.

Den Besucher begrüßen im Eingangsbereich zwei Statuen, von denen eine bekannt vorkommen dürfte. Denn es die von Johannes Gutenberg, die normalerweise ein wenig abseits im Museumsbereich steht und für die Ausstellung unübersehbar in deren Eingang platziert wurde. Gutenberg trägt selbstverständlich Buchstaben in der Hand.

Die sehenswerte Ausstellung zeigt fernöstliche Werkzeuge und Artefakte aus längst vergangenen Jahrhunderten. Foto: Ralph Keim

Die andere Statue stellt einen fernöstlichen Handwerker dar, der vor knapp 1000 Jahren Druckstempel entwickelte und nutzte. Der Unterschied zu Gutenberg: In dem Teil der Erde, der heute Korea, Japan und China umfasst, galt das Drucken als hohe Kunst, vorbehalten einer Minderheit. Gutenbergs Erfindung dagegen revolutionierte die rasante Verbreitung von Wissen und Meinung.

Mit der Ausstellung „Ohne Zweifel Gutenberg? Die Erfindung des Buchdrucks in Europa und Asien“ stellt das Gutenberg-Museum unter der Leitung von Annette Ludwig die Geschichte der Druckkunst mit beweglichen Lettern in diesen unterschiedlichen Teilen der Erde und der Geschichte gegenüber. Der Besucher erfährt interessante Fakten zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Der Besucher, der im Gutenberg-Museum normalerweise eintauchen kann in eine Welt der europäischen Druckindustrie vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte, trifft jetzt auch auf fernöstliche Werkstätten, Werkzeuge und Artefakte. Bis kurz vor der Eröffnung am Donnerstagabend haben die Macher der Ausstellung unter der Leitung der Kuratoren Volker Benad-Wagenhoff, Claus Maywald und Cornelia Schneider an der Gestaltung der Räume im Untergeschoss des Museums gearbeitet.

Dabei zeigt sich eindrucksvoll, dass der Druck in Fernost tatsächlich eine Kunst darstellte. Angesichts von mehreren tausend Zeichen war an eine Massenproduktion gar nicht zu denken. Ganz im Gegensatz zu Gutenbergs Erfindung, die sich zu einem Handwerk etablierte und schließlich in qualitativ hochwertigen Massenprodukten mündete, nämlich in Büchern und all dem, was aus dem gedruckten Wort besteht.
Die Ausstellung „Ohne Zweifel Gutenberg? Die Erfindung des Buchdrucks in Europa und Asien“ ist bis Ende April 2019 zu sehen.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“