Die „Uncle Gulus Blues Band“ uebernahm den musikalischen Part, hier mit der Vorsitzenden Irene Happel. Foto: Helene Braun

Hechtsheim – Die Beschäftigung mit Tod und Trauer ist nicht gerade das Top-Thema auf Partys. „Mit dem Thema sind wir am Rande der Gesellschaft, aber wir wollen es nicht abseits halten“, sagt Irene Heppel, Vorsitzende des Vereins „Trauende Eltern und Kinder Rhein-Main“ anlässlich des Benefiz-Fußballturniers auf der Bezirkssportanlage in Hechtsheim. Inspiriert durch die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft entstand aus einem Kreis von ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins mit Unterstützung des Vereinsbotschafters Dirk Martin die Idee, ein solches Turnier ins Leben zu rufen. Für die Schirmherrschaft konnte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling gewonnen werden.

„Mit der Veranstaltung wollen wir einerseits auf unseren Verein aufmerksam machen, Spenden sammeln und vielleicht Kontakt zu Sponsoren bekommen“, erklärt Heppel. Denn der finanzielle Aufwand für den aus Spenden getragenen Verein mit Sitz in Hechtsheim ist hoch. Der Einzugsbereich ist riesig, jedes Jahr suchen 100 Neubetroffene das Gespräch: Eltern, die ein Kind oder Kinder, die Geschwister oder ein Elternteil verloren haben. Allein drei Kinder-Trauma-Gruppen gibt es nach Alter und der Bedarf ist enorm. Und die Mitgliederbeiträge decken vielleicht zehn Prozent des Jahreshaushalts.

Der Verein bietet für Trauernde Einzelgespräche, Seminare, Gruppenangebote an und verschiedene Aktivitäten im Jahresverlauf wie den Gedenkgottesdienst, Wanderungen oder die „Begegnung im Sommer“. Allein etwa 1000 Einzelgespräche werden jährlich geführt. Im letzten Jahr wurde der Verein 20 Jahre alt.

Heppel hat selbst vor 15 Jahren ihre Tochter verloren und ist durch die Hilfe des Vereins wieder auf die Füße gekommen. „Die Trauer hört nicht auf, aber es geht darum, irgendwann wieder ein gutes Leben zu führen. Ich war ein paar Jahre nicht gesellschaftsfähig“, formuliert die Vorsitzende. Das Alleinstellungsmerkmal: „Wir bieten die Hilfe sehr schnell an, die Ersthilfe ist sehr wichtig.“

An dem Kleinfeld-Turnier für den guten Zweck nahmen neben den Special Olympics von Lotto Teams wie die „Alten Herren 1817“, „Willy Wacker“, Wiwi-Consult, Kanal Grün, Ente Bagdad oder die Katholische Jugend Hechtsheim teil. Außerdem hatte sich eine „Freundschafts-Mannschaft“ aus Mainz angemeldet mit dem Namen „seven to the heaven“, die in Gedenken an ihren verstorbenen Freund Lenny Sieben viele Tore schießen wollten. Natürlich durfte eine vereinseigene Mannschaft auch nicht fehlen – diese ging mit betroffenen Eltern und Geschwistern an den Start.

Neben dem Turnier war ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie geboten und eine tolle Tombola mit wenigen aber hochwertigen Preisen. Beim Tipp-Kick konnten sich alle Gäste gegen einen Spendenobolus mit dem deutschen Vizemeister der Jahre 1999 und 2002 messen. Daniel Meuren ist nämlich auch der „Vize“ im Verein. Die Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz und dem Verein nahestehende Firmen unterstützten das Turnier mit Geld- und Sachspenden. Und für gute Stimmung sorgte die „Uncle Gulus Blues Band“, vor und nach der Siegerehrung.

Kontakt: Trauernde Eltern & Kinder Rhein Main, Telefon 06131/6172658, www.eltern-kinder-trauer.de.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.