Die Jungfernfahrt von Emma lockte zahlreiche Journalisten und Neugierige auf die Malokoff-Terrasse. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Emma kam nahezu geräuschlos und gemächlich. Mit elf Stundenkilometern näherte sich der autonome Elektrokleinbus der Malakoff-Terrasse, wo bereits zahlreiche Journalisten, Politiker, Wirtschaftsvertreter und neugierige Bürger warteten. Denn Emma, so heißt der Elektrokleinbus, fährt nicht nur äußerst umweltfreundlich, nämlich mit Strom, sondern auch noch autonom – also ohne Mensch am Lenkrad.

Einer der Passagiere der Jungfernfahrt war Oberbürgermeister Michael Ebling, der sich nach dem Aussteigen von der 800 Meter langen Strecke sichtlich beeindruckt zeigte, aber auch von einem mulmigen Gefühl sprach.

Oberbuergermeister Michael Ebling gehoerte zu den ersten Passagieren, die bei einer Fahrt mit Emma dabei waren. Foto: Ralph Keim

Der Hintergrund: Als erstes kommunales Verkehrsunternehmen Deutschlands testet die Mainzer Mobilität einen selbstfahrenden Elektrokleinbus im öffentlichen Raum. Bis Anfang September kurvt das markante Fahrzeug am Winterhafen zwischen Ruderverein und Fort Malakoff entlang, betrieben mit Ökostrom der Mainzer Stadtwerke. Der Clou: Die Bürger sind aufgefordert, einzusteigen und mitzufahren, selbstverständlich kostenlos.

Die Projektpartner erhoffen sich von den Testfahrten und den Reaktionen der Passagiere wichtige Erkenntnisse über die Potenziale des autonomen Fahrens im öffentlichen Verkehr. Was können diese Fahrzeuge heute schon und was können sie nicht? Und wie reagieren die Bürger, beispielsweise Radfahrer, auf die neue Technologie? Wie fühlt sich erfahrenes Fahrpersonal in einem Fahrzeug ohne Lenkrad und Armaturenbrett? Ist es anstrengender selbst am Steuer zu sitzen oder ein selbstfahrendes Fahrzeug zu überwachen? Auf diese Fragen sollen Antworten gefunden werden. Dazu wird das Projekt auch wissenschaftlich begleitet.

Nicht zuletzt möchte die Mainzer Mobilität auch Erkenntnisse sammeln, wie und wo man autonom fahrende elektrische Kleinbusse zur flexiblen Versorgung von Randgebieten einsetzen kann. Das Projekt ist Teil von „Mainzer Mobilität 2030“.

„Wir sind uns sicher, dass das autonome Fahren die Mobilität der Menschen und damit auch die Nahverkehrsbranche verändern wird“, so Eva Kreienkamp, Geschäftsführerin der Mainzer Mobilität. Daniel Gahr, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke, ergänzte: „Mobilität in Mainz ist von hoher strategischer Bedeutung für die Mainzer Stadtwerke mit ihren jährlich über 53 Millionen Fahrgästen.“ Auch Verkehrsminister Volker Wissing zeigte sich beeindruckt: „Neue Formen der Mobilität und die dafür notwendigen Technologien werden zukünftig auch für den ÖPNV eine bedeutende Rolle spielen. Strecken, die sich heute nicht wirtschaftlich betreiben lassen, könnten wieder neu erschlossen werden.“

Ganz alleine fährt Emma freilich nicht, denn ein sogenannter Operator, der bei allen Fahrten dabei ist, überwacht alles. Sechs eigens dafür geschulte Fahrdienstmitarbeiter der Mainzer Mobilität wechseln sich dabei ab. Emma steht übrigens für Elektromobilität Mainz autonom.

Mitfahrgelegenheiten gibt es täglich von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber Emma hat nur acht Sitzplätze. Weitere Infos zum Bus-Projekt und zu den Betriebszeiten unter www.mainzer-mobilitaet.de/emma.

Vorheriger ArtikelThemen Tod und Trauer nicht abseits halten
Nächster ArtikelLängst kein Geheimtipp mehr
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“