An dem Ausdruck haben die Kinder beim Theater-Workshop des Ferienprogramms lange gearbeitet. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Bodenheim – Wenn die Hauptfigur vom Flughafen unvermittelt in einen verborgenen Feenwald gelangt und dabei spürt, wie ihr Flügel wachsen, die sie – umhüllt von einer Rauchwolke – dorthin tragen, was könnte das sein? Vielleicht das Handlungsgerüst für einen neuen Fantasyroman? Der skurrile und merkwürdige Plot könnte aber gerade auch der kindlichen Fantasie entsprungen sein.

In der Tat haben sich die Kinder die Geschichte erdacht. Sie nehmen am Theaterkurs des Ferienprogramms in Bodenheim teil. In den Räumen der VG-Jugendpflege in der Bodenheimer Grundschule ist es irrsinnig warm. Vor den Spiegeln, die zwei Wände des Raumes vollständig auskleiden, nähern sie sich nun spielerisch der Geschichte an, die sie zum Abschluss vor ihren Eltern darstellen werden. Die Theaterpädagogin, Verena Gerlach, erzählt, wie die Story entstanden ist. Gerlach wirkt seit 2016 beim Landesprogramm „Jedem Kind seine Kunst“ des Landeskulturministeriums und hat das Netzwerk freier Theaterpädagogen, „TheaterRaumMainz“, mitbegründet.

„Jeder hat den Anfang von einem Satz gesagt, dann mittendrin aufgehört. Das nächste Kind hat den Satz vervollständigt, einen neuen begonnen und wiederum mitten drin aufgehört.“ Auf diese Weise seien ganz lustige Sachen herausgekommen. Die anfangs lange Erzählung haben die Kinder mit der Hilfe der Theaterpädagogin gekürzt und bestimmte Passagen verändert, dass sie spielbar werden.
„Jetzt ist ihre Aufgabe, alles, was in der Geschichte spielbar ist, darzustellen.“
Der ambitionierte Nachwuchs absolviert mehrere Durchgänge hintereinander. „Sie versuchen, denselben Punkt zu finden und die gleiche Haltung einzunehmen.“ So wie es bei Theaterinszenierungen üblich sei.

Während die Dozentin das Geschehen Satz für Satz jeweils mit einer Pause dazwischen vorliest, gehen die Schauspieler darin auf.
„Neulich am Flughafen sah ich einen Mann mit einem großen Hut…“ Die Kids versuchen, das Staunen auszudrücken. „Wir gingen weiter und stolperten über einen Koffer“, alle fallen hin. Jeder versuche, seine Lösung zu finden, erläutert Gerlach. Sie dürfen mit der Geschichte experimentieren. „Versucht jetzt, weniger durch den Raum zu rennen. Was ihr auch immer tut, macht es genauer“, weist sie die Kinder an.
Später werden sie die Story mit verschiedenen Techniken auf die Bühne zu bringen, beispielsweise sie als eine Art Dia-Show aufzustellen oder in Zeitraffer oder Zeitlupe zu spielen. Richtige Spielszenen wollen sie auch einbauen. „Mit Text, denn es kann sein, dass die Geschichte mit Dialogen und wörtlicher Rede noch besser funktioniert.“
Schritt für Schritt wie Stein auf Stein richtet Gerlach gemeinsam mit ihnen das Inszenierungs-Bauwerk auf. Dass es auch andere Möglichkeiten gibt, wie Theater außer dem klassischen Schauspiel funktioniert, wird den Kindern bestimmt in Erinnerung bleiben.

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.