Mit jedem neuen Auto hat er auch eine neue Frau kennengelernt. Foto: Helene Braun

Gonsenheim – Wenn Norbert Idstein morgens aufwacht, schreibt er gelegentlich ein Gedicht oder vielleicht einen Song. Er hat Bücher seiner Erlebnisse veröffentlicht, Musikstücke komponiert und aufgeführt, weite Reisen unternommen und einmal wanderte er sogar nach Australien aus. Aber nach vier Wochen kam er zurück, zurück nach Gonsenheim, wo sein Leben einst begann. Im Gespräch wirkt er offen, gerade heraus und eine Idee jagt die nächste.

Für die Musik schlägt sein Herz. Für die Wissenschaft, Kunst und Literatur hat er immer offene Augen und Ohren, für die Mentalitäten auf dem Globus großes Interesse. Für Norbert Idstein – alias Graf Steinschlag, so sein Pseudonym – ist die Welt noch zu klein, Begrenzung ist für kein Thema. So kam zu allem anderen noch das Interesse an der Parapsychologie hinzu. Im Moment fasziniert ihn die Kybernetik. „Das Leben ist für mich wie ein Staffellauf, aber es gibt kein definiertes Ziel. Dennoch bin ich ein spiritueller Menschen“, sagt Idstein.

Norbert Idstein hat den Spruch „Carpe diem“ zum Lebensmotto erhoben, so scheint es. Seit der heute 71-jährige mit 55 Jahren in den Vorruhestand ging, hat er keinen Tag im Quasi-Ruhestand verbracht. Angetrieben von unersättlicher Neugier auf die Wissenschaft, die Künste, das Leben, begann der Ur-Gonsenheimer mit dem Schreiben von Reiserlebnissen. Auf Anraten des Verlags versuchte er es mit Erotik, aber es wurde eine Geschichte ums Auto. Er erinnert sich, mit jedem neuen Auto hat er auch eine neue Frau kennengelernt. Wen`s interessiert: 13 Autos nannte er sein Eigen. Und wieder schrieb er Reiseberichte. Den Verlag gibt es nicht mehr, „aber immerhin bin ich in Who´s Who gelistet“, erzählt Idstein. In den 60ern, als die Beatles die Initialzündung gaben, war er Mitgründer der Band Band „Wolfy and the Jets. Und spielte Schlagzeug. In den 80ern folgte erneut in Ulm die Gründung der Band „Pentagon“ – die jedoch nur kurz existierte.
In Gonsenheim aufgewachsen, studierte er in Frankfurt Elektrotechnik, zog nach Ulm. 24 Jahre kam er „beruflich und privat in der Welt herum“ meist durch „eine Firma, die heute Airbus heißt“. Danach eröffnete sich für Norbert Idstein der „große Freiraum“ und er kehrte nach Gonsenheim zurück. Als erstes machte er aber in Los Angeles einen Drehbuchautorlehrhang. Er lernte Klavier zu spielen. Später spielte Manuel Seng seine Kompositionen ein, sie traten im Café Genuss auf und brachten Jazz-Versionen von Kinderliedern, verpackt in einer Idstein-Version von „Hänsel und Gretel“, die sich am Gonsenheimer Umfeld orientierte. Demnächst (16.9.2018) werden Kompositionen von Idstein im Haus der Begegnung in Ulm aufgeführt. Dorthin hatte er vor 15 Jahren die Ukrainische Pianistin Natalia Tschesnokova für ein Konzert eingeladen. Sie gab damals zusätzlich ein Orgelkonzert im berühmten Ulmer Münster und in der evangelischen Kirche in Senden(Iller).

Für Idstein teilt sich das Leben in Ausbildung, Beruf und dann den Teil, in dem, wenn man es sich leisten kann, machen kann, was man will. Und das bedeutet, Menschen treffen, den Horizont erweitern, kreativ sein. Mittlerweile sei er gesättigt, was die Reisen betrifft, sagt Idstein: „Wer die Welt kennen will, der braucht nicht mal aus dem Haus zu gehen.“

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.