Am Gedenkstein fuer den Piloten Captain Mike Crandall trafen sich die Buergermeister Thomas Becker-Theilig und Margit Grub mit Zeitzeugen, Feuerwehr und Hilfsorganisationen. Foto: Helene Braun

Bodenheim/Nackenheim – 30 Jahre ist die Katastrophe nun her, aber alle, die sie miterlebt haben und auch die, die sie nur vom Hörensagen kennen, sind heute noch entsetzt. Damals gab es eine Flugzeugkollision über Nackenheim an der Grenze zu Bodenheim. Zwei F-16-Kampfflugzeuge der US-Army stürzten am 29. Juni 1988 über dem nördlichen Ortsrand da ab, wo auf der einen Seite heute das Gewerbegebiet An der langen Ruthe ist, auf der anderen die Landesstraße. Am Gedenkstein für den Piloten Captain Mike Crandall, der dabei ums Leben kam, trafen sich die Bürgermeister Thomas Becker-Theilig und Margit Grub mit Zeitzeugen, Feuerwehr und Hilfsorganisationen. Margit Grub denkt heute noch bei jedem Einkauf im Gewerbegebiet daran.

Die beiden Jets simulierten in etwa 150 Metern Höhe einen sogenannten Dogfight, einen Luftkampf im Kurvenflug. Als sie von der Flugsicherung aufgefordert wurden, ihren Kurs zu ändern, drehte einer der Piloten nach rechts ab, während der andere entgegen den Anweisungen Kurs hielt. Gegen 13.30 Uhr und bei einer Geschwindigkeit von 800 oder 900 km/h kollidierten die Flugzeuge an den Tragflächen, explodierten und stürzten auf ein Feld im Bereich des ehemaligen Aldi-Marktes am Ortsrand von Bodenheim. Teile fielen auf die B9-Zubringerstraße L413. Captain Mike Crandall starb, der andere Pilot, Captain Bob McCormack, konnte sich per Schleudersitz retten und wurde schwer verletzt in einem Getreidefeld aufgefunden.

Hätte sich der Zusammenstoß eine Sekunde früher ereignet, wären die Flugzeuge laut Chronik der Bodenheimer Feuerwehr im Bereich der Nackenheimer Schule niedergegangen, eine Sekunde später im Gewerbegebiet von Bodenheim. Die beiden Flugzeuge gehörten zum 50th Tactical Fighter Wing der US Air Force und waren auf der Hahn Air Base stationiert.

Ulrich Hübner, damals der Verbindungsbeauftragte der Polizeiinspektion Oppenheim für die US-Streitkräfte war der erste am Ort. Für ihn und seine Kollegen galt es zunächst herauszufinden, ob eine Bewaffnung an Bord für die Zivilbevölkerung gefährlich sein könne. Zwei Tanks mit Hydrazin, ein chemischer Raketentreibstoff, waren die Ursache, das gesamte Gelände zum militärischen Sperrbezirk zu erklären. Alfons Achatz, der damalige Ortsbürgermeister von Bodenheim, hat alles ganz nah erlebt, auch weil er als Feuerwehrmann vor Ort war. Auch Günter Ollig, der Nackenheimer Amtskollege war dabei und schilderte seine Eindrücke. Froh sei er noch heute, dass Schule und Kindergarten, 800 Meter entfernt, verschont blieben.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.