Die Prozession mit den St. Nepomuk-Blaesern ging vom katholischen Pfarrzentrum bis zur Statue am Rheinufer. Foto: Helene Braun

Nackenheim – Man denke 625 Jahre zurück: da wurde Johannes Nepomuk mit zwei weiteren Geistlichen durch König Wenzel gefangengenommen. Wenzel IV. wollte erfahren, was seine Frau dem Priester unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses anvertraut hatte. Doch Johannes wahrte das Geheimnis – trotz grausamer Folter. Am Ende stand der Tod, doch er schwieg. An St. Johannis ging die Prozession mit den St. Nepomuk-Bläsern vom katholischen Pfarrzentrum zum Rheinufer bis hin zur Statue. Pfarrer Reinhold Ricker sagte bei der anschließenden Andacht, während Ortsbürgermeisterin Margit Grub ihm das Mikrofon hielt: „Johannes Nepomuk wurde zum Patron des Beichtgeheimnisses, aber er kann uns alle mahnen, dass schweigen können eine wichtige Eigenschaft ist.“ Und: „Menschen mit klaren Aussagen und Treue zu ihrem Wort sind selten geworden.“ Leichter sei es, sich anzupassen im Netzt von Beziehungen, Notlüge, Korruption. „Aber auf Dauer hat nur die Wahrheit Bestand.“

Seit mehr als 200 Jahren versammeln sich die Nackenheimer vor der Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk, der, in einer Art Schutzgehäuse vor Vandalismus und Witterung geschützt, direkt gegenüber dem Schiffermast sein Amt als Brückenheiliger versieht. Hier floss früher der Eichelsbach in den Rhein. Mit dabei sind immer die Jugendfeuerwehr, die die Feuerstelle sichert, die Feuerwehr, die Brezeln und Getränke bereithält und die KJN mit Stockbrot-Teig für die Kinder. Dann zündete die Feuerwehr das Johannisfeuer an und die Dämmerung brach langsam herein. Eine rundum schöne Tradition, die jedes Mal eine Menge Menschen anlockt aus allen Generationen, aber eben nicht mehr so viele wie früher einmal. Margit Grub möchte dieses Brauchtum bewahren. „Ich möchte, dass wir unser Brauchtum weiterführen, für unsere Kinder, damit sie sehen, wie schön es bei uns ist.“ Nun will sie noch Liederhefte drucken lassen, damit noch mehr Menschen mitsingen können.

Bei der Statue in Nackenheim ist der aus der Barockzeit stammende Sockel der wertvollste Teil. Die Figur selbst ist aus Terrakotta und wurde vor rund dreißig Jahren von einem Betrunkenen „liebevoll umarmt“ und beschädigt. Auch beim Feuer ging nicht immer alles glatt. War es in der Vergangenheit der Ehrgeiz der jungen Leute einen möglichst großen Holzhaufen und damit ein hohes Feuer zu bekommen, so muss man sich heute einschränken. Durch die Umgehungsstraße der B 9 ist der Ort des Feuers näher an die Häuser gerückt, die Feuerwehr baut zur Sicherheit eine Wasserwand auf. Dennoch wurden vor zwei Jahrzehnten bei dem direkt gegenüberliegenden Haus Kunststoffrollläden in Mitleidenschaft gezogen und mussten ersetzt werden.

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.