Rahman Abbas mit seinem Werk und die Mainzer Übersetzerin Prof. Dr. Almuth Degener mit der deutschen Ausgabe. Im Hintergrund Jan Köhler am Marimbaphon. Foto: Elke Fauck

GONSENHEIM – „Die Stadt, das Meer, die Liebe“ heißt der vierte Roman des indischen Autors Rahman Abbas, dessen Original in Urdu verfasst und bisher lediglich ins Deutsche übersetzt wurde.
Die Mainzer Indologin, Prof. Dr. Almuth Degener hatte das Buch im Original gelesen und war von der Spannung, Fantasie, Sozialkritik, Philosophie und Poesie dieses Werkes so fasziniert, dass sie Kontakt mit Autor und Verleger aufnahm, um den Roman in die deutsche Sprache zu übersetzen.

Mumbai, eine Stadt der Chancen wie auch eine Stadt des Elends – so beschreibt Abbas seine Heimatstadt – in ihr spielt auch die Geschichte.
Ein junger Mann namens Asrar wuchs in einer ländlichen Gegend südlich von Mumbai auf. Eines Tages bricht er auf nach Mumbai, um in der Großstadt sein Glück zu suchen. Während der Zugfahrt versetzt Abbas seinen Protagonisten immer wieder ins Staunen. Was er so durch das Fenster sieht, kannte er bisher nur vom Fernsehen. Vor seinen Augen sieht er das Meer, das sich im Rhythmus seiner aktuellen Gedanken bewegt.
Die Vielfalt der muslimischen Minderheiten in Indien, die persönlichen und sozialen Probleme der jungen Generation, religiöse und sexuelle Spannungen – all diese Themen, gewürzt mit einer Prise Liebe, als Hina in Asrars Leben tritt. Für das Wort „Liebe“ gibt es auf Urdu 16 verschiedene Vokabeln.

Abbas gewann mit seinem in Indien und Pakistan viel gelesenen und diskutierten Buch einen Literaturpreis in Indien. Bei dem Originaltitel „Rohzin“ handelt es sich um eine Wortschöpfung Rahman Abbas‘. Der erste Wortteil bedeutet so viel wie Geist oder Seele, während der zweite Verzweiflung oder Depression ausdrückt.
Neben Spannung pur vermittelt der Schriftsteller in seinem Roman sehr viel historisches und geografisches Wissen. Abbas und Degener erläuterten Hintergründe, nicht zuletzt auch, was die Sprache angeht, denn ein Land mit 22 offiziellen und vielen weiteren Sprachen birgt allerlei Geheimnisse.

Mit überwiegend eigenen Kompositionen auf das Thema zugeschnitten sorgte Jan Köhler am Marimbaphon für den musikalischen Rahmen. Eine gelungene Veranstaltung, deren großes Interesse für die Räumlichkeiten des Stadtteiltreffs zur Herausforderung wurde.
Das Buch ist im Draupadi@Unionsverlag unter ISBN-10:3-293-61015-3 erhältlich.

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Elke Fauck
Seit November 2013 arbeite ich als freie Mitarbeiterin für die Lokale Zeitung. Hauptsächlich schreibe ich für Gonsenheim, Mombach und Finthen – aber auch gelegentlich andere Vororte oder die Innenstadt. Ich favorisiere kulturelle Veranstaltungen wie Vernissagen, Konzerte etc., auch während der Fastnachtszeit bin ich sehr gerne für die Lokale unterwegs. Doch die Mischung macht’s – deshalb berichte ich über alle Themen.