Einen taenzerischen Interpretationsvorschlag von „One of us cannot be wrong“ praesentierte bei der Eroeffnung Gili Goverman vom Ensemble „tanzmainz“ des Staatstheaters. Foto: Jana Kay

GONSENHEIM – Eigentlich herrscht große Ruhe im Kirchenraum. Trotz gut besetzter Bänke ist kein Flüstern zu hören an diesem Abend in der Evangelischen Kirche in Gonsenheim, kein Murmeln, und kein Kleinkind gibt einen Laut. Dennoch ist es nicht still. Vielmehr erfüllt den Raum ein tiefes Brummen, ein voller, warmer Klang, der sich verändert, sobald man selbst sich im Raum bewegt. Ein Ton, der sich in seiner Tiefe schon fast an der Grenze der Wahrnehmbarkeit bewegt, und der offenbar den ganzen Körper, die ganze Seele in Vibration versetzen will. Ursprung dieses Klangs ist ein Gebilde im Altarraum: zwei hohe Glassäulen, unter denen jeweils eine Gasflamme brennt.

„One of us cannot be wrong“ nennt Professor Andreas Oldörp diese Klanginstallation, die noch fünf Monate lang in der Inselkirche auf der Breiten Straße zu hören und sehen sein wird. Zur Eröffnung, die begleitet wurde von einer kunstvollen Choreografie der Tänzerin Gili Goverman von Ensemble „tanzmainz“ des Staatstheaters, war der Künstler selbst vor Ort – und verdeutlichte den zahlreich erschienenen Besuchern fachkundig, was an diesen „singenden Flammen“ diesen eigentümlichen Klang erzeugt.

Butanbetriebene Brenner bringen die Luftsäulen in den Glasröhren zum Schwingen, erklärte der Hamburger Installationskünstler und Bildhauer. „Ein ähnliches Prinzip wie bei Orgelpfeifen.“ Seit 1988 experimentiert Oldörp, der Mitglied im Deutschen Künstlerbund ist und bereits in ganz Europa und auch in Übersee ausgestellt hat, mit komplexen und räumlich variablen Klanggeweben. Besonders fasziniert ist er von den Wechselwirkungen von Klang und Raum. Nun holte Pfarrerin Dr. Angela Rinn den Künstler nach Gonsenheim.

„Kunst und Kirche haben eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte“, begründet die Theologin ihren Entschluss, das Gotteshaus auf der Breiten Straße zum Ausstellungsraum werden zu lassen. „Kunst hilft uns, einen Raum anders wahrzunehmen, ist Gegenpol und unterstreicht.“ Sie finde es äußerst spannend, wie bei Oldörps Installation die Töne miteinander, dem Raum und den Menschen interagieren. „Die Menschen müssen zulassen, dass sie selbst zum Resonanzkörper werden.“

Rinn dankte dem Kirchenvorstand, ihrem Amtskollegen Pfarrer Andreas Nose, der Stiftung Evangelisches Mainz mit Dekan Andreas Klodt, der Kulturstiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN-Stiftung) und Oberkirchenrätin Christine Noschka für ihre Unter-stützung dieses Projekts. Auch dem Kirchenmusiker Peter Paulnitz sowie dem Hausmeister- und Küsterinnenpaar Iris und Dieter Schmitt galt Rinns Dank. Schließlich muss Paulnitz` Orgelspiel in den kommenden Monaten darauf abgestimmt sein, dass im Hintergrund ohne Unterlass das Kontra-Es erklingt. Die Schmitts wiederum schauen jeden Tag in der Kirche vorbei, kontrollieren den Aufbau, erneuern wenn nötig die Gasflaschen. Und tragen damit dafür Sorge, dass das Licht unter den Glasröhren nicht vorzeitig erlischt, bevor die Klanginstallation mit der Finissage am 30. Oktober zu Ende geht.

Die Klanginstallation „One of us cannot be wrong“ ist zu sehen bis Dienstag, 30. Oktober, in der Evangelischen Kirche Mainz-Gonsenheim, Breite Straße, die außer zu den Gottesdienstzeiten auch an den Samstagvormittagen geöffnet ist. Zu anderen Zeiten kann der Schlüssel im Reformhaus Rutsch, Breite Straße, ausgeliehen werden. Es finden zahlreiche Begleitveranstaltungen statt, Termine unter www.rheinhessen-evangelisch.de/die-dekanate/dekanat-mainz/neues/termine.

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