Kurt Steinkoenig hat die Tür zum Saengerheim im Wilhelm-Spies-Haus kuenstlerisch gestaltet: v.l. Bernhard Marin, Vorstandsmitglied Natacha Olbrich, Willi Lutz. Foto: Helene Braun

Laubenheim – Im Jahr vor dem großen Jubiläum geht die Post ab bei der Sängervereinigung Mainz-Laubenheim mit ihrem Vorsitzenden Nils Böttcher. Sven Hieronymus kam zur Probe und trat im Sportzentrum auf, die „SWR 1 Night Fever Party“ läutete den Mai ein und neben Auftritten bei Festen und befreundeten Chören plant die Sängervereinigung, die Herbsttagung des Kreis-Chorverbands auszurichten und veranstaltet in diesem Jahr ein besinnliches Weihnachtskonzert. 2019 geht es dann gleich voll ins Jahr des 175-jährigen Bestehens. Die Sängervereinigung bildet seit dem Jahr 1939 den Zusammenschluss zweier traditionsreicher Vereine, dem im Jahr 1844 gegründeten Männergesangverein und dem im Jahr 1871 ins Vereinsleben getretenen Gesang- und Arbeiterbildungsverein.

Tradition und Moderne vereinigen sich in der Chorarbeit, die Antonio Sarnjai seit 2006 professionell leitet. Die Sänger des Männerchors sind zum Teil schon seit Jahrzehnten dabei und kennen noch die alten Zeiten wie Willi Lutz, der bereits seit 1947 beitrat. Dann gibt es noch die Neuen wie Bernhard Marin, zweiter Vorsitzender und vor sechs Jahren eingestiegen, als der HeartChor, der gemischte Chor mit modernem Repertoire, startete. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in einem Chor mitzusingen, Noten waren mir allerdings nicht unbekannt“, erzählt Bernhard Marin im Gespräch mit der Lokalen Zeitung vor der Probe. Dann habe er die Ankündigung gelesen, dass Ulrich Dünnes, der Vorgänger von Nils Böttcher im Vorsitz, einen gemischten Chor gründen wolle. „Ich war so elektrisiert und hatte Angst, Dünnes nicht mehr rechtzeitig zu erreichen und der Chor sei vielleicht schon voll.“ Heute befindet er, der HeartChor habe sich gut entwickelt. Und Endlich fanden auch Frauen, unter ihnen auch die sangeswilligen Ehefrauen der Männer, eine Heimat.

Willi Lutz ist seit 1947 im Verein. „Als ich dazu gestoßen bin, hatte der Verein so gut wie nix in der Kasse.“ Und er erinnert sich: „Irgendwo muss er noch stehen, der ´Sarg`, das silberne Ding, in dem wir nach den Proben für Noten gesammelt haben.“ Willi Lutz war gerade 18 Jahre alt, da sei ein Herr Möhn gekommen und habe die Mutter gefragt, ob der Willi mitsingen dürfe. Die Mutter habe entgegnet, da müsse man den Willi selber fragen. „Wir waren so fünf, sechs junge Leute in meinem Alter.“ Nur er ist noch übrig. Fünf bis sechs Dirigenten habe er „verschlissen“, erzählt Lutz weiter. Sie probten im Mainzer Hof, bis er zu klein wurde, die Heilburg war abgebrannt und man wich in Lokale aus. Aber es gab einen Knabenchor und die Sänger spielten Theater. „Wir waren so bekannt, dass wir bis nach Weiterstadt mit unseren Aufführungen kamen, erzählt Willi Lutz stolz. Er gab den Strandwart im Stück „Die Strandmädels“. In den Lokalen, in denen sie probten, gab es noch keine Heizung, so brachten sie Holz und Briketts selber mit.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.