Das Absinto Orkestra zelebriert das Leben: Liebe und Vergänglichkeit, Witz und Sehnsucht, Melancholie und Rausch. Foto: Helene Braun

Bretzenheim – Irgendwo zwischen Gypsy-Swing und Balkan-Jazz, aber nicht wirklich einzuordnen, bewegen sich die Musiker des Absinto Orkestra. Berauschend wie Absinth ist die Musik oder wie Frontmann und Gitarrist Stefan Ölke im ZMO meinte: „Wer psychoaktive Substanzen mit sich führt, sollte sie jetzt zeitnah nehmen.“ Vera Linke kündigte „die Band, die mir ganz besonders am Herzen liegt“ an. Die Absintos waren nämlich nicht zum ersten Mal im ZMO zu Gast. Entsprechend voll war der Raum, denn immer mehr Menschen gehören zur immer größer werdenden Fangemeinde.

Was soll passieren, wenn sich lauter exzellente Musikprofis, lauter kreative Individuen, die gut und gern jeder für sich einen Solo-Abend stemmen könnten oder ihre Karrieren auch schon wie Bassist Pavel Klimashevski, der studierte Musiker, in anderen Orchestern am Laufen haben. Es explodiert, berauscht und steckt an mitzumachen und sich ganz den Klängen hinzugeben. Da klingt Jolly Reinigs Teufelsgeige, die er noch vom Opa hat, wie die von Don Sugar Cane Harris, teuflisch schnell und virtuos. Da überrascht Perkussionist Clinton Heneke mit samtiger ausdrucksvoller Stimme, da röhrt Stefan Ölke an der Gitarre die Texte in die Welt hinaus. Seine Frontmann-Qualitäten hat er sich während seiner Straßenmusikerzeit in Deutschland, Frankreich und Italien zugelegt.

Weltmusik, das scheint der treffende Begriff für das, was sich eigentlich nicht einordnen lässt. Dafür stehen auch die verschiedenen Herkunftsländer der Musiker, sie sind aus Rheinland-Pfalz, aus Hessen, aus Russland und Südafrika. Und was sei schaffen, klingt wie eine einzige Hommage an das Leben.

Auch Deutsches ist mittlerweile dabei, Titel wie „Wohin die Reise geht“ oder „Sieben Sachen“, und die Leadstimme hat jeder einmal. Jo Schappert an der akustischen Gitarre kümmert sich ums Absinto-Management. Mit Rockbands stand er ebenso gerne auf der Bühne wie alleine mit Dobro oder klassischer Gitarre. Alle zusammen zelebrieren Hymnen auf das Leben, die alles einbeziehen, was diese kurze Spanne ausmacht: Liebe und Vergänglichkeit, Witz und Sehnsucht, Melancholie und Rausch. Und das spürt das Publikum auch – auch ohne psychoaktive Substanzen. Mitsingen, Tanzen und Klatschen – das alles kommt von allein.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig und seit 2014 Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.